Auf einen Blick: Das KEP-Jahr 2025
(zur Studie auf der BPEX-Website)
- Leichter Aufwärtstrend: Das Volumen an Kurier-, Express und Paketsendungen ist 2025 um 1,8 Prozent auf 4,37 Milliarden Sendungen in Deutschland angestiegen – damit liegt das Plus deutlich niedriger als 2024. Ein Wachstum mit angezogener Handbremse.
- Umsatz und Durchschnittserlös: In der KEP-Branche sind die Umsätze ebenfalls leicht gewachsen – um 2,6 Prozent auf rund 28,4 Milliarden Euro. Im Vergleich zu 2015 bedeutet dies einen Anstieg um 63 Prozent. Doch wie hart der Wettbewerb ist, verdeutlicht der Durchschnittserlös: 2025 lag er nominal bei 6,50 Euro – inflationsbereinigt jedoch bei nur 6,02 Euro (in Preisen zu 2015). Der nominale Zuwachs reicht nicht aus, um die Kostensteigerungen der vergangenen Jahre auszugleichen.
- Winner C2C: Das B2C-Segment konnte 2025 um 0,6 Prozent zulegen – im Vorjahr betrug das Plus noch 5,5 Prozent. Das B2B-Sendungsvolumen sank um 0,3 Prozent. Der Gewinner mit einem Wachstum im zweistelligen Prozentbereich ist C2C. Zwar macht der Bereich bislang nur 7 Prozent aller nationalen Sendungen aus – doch die steigende Nachfrage nach gebrauchten oder handgefertigten Produkten zeigt das erhebliche Potential.
- Prognose: Bis 2030 sieht die KEP-Studie ein durchschnittliches jährliches Wachstum der Sendungsmenge um 3,1 Prozent – auf dann rund 5,08 Milliarden Sendungen. Für 2026 wird ein Korridor von 1,5 bis 2,5 Prozent mehr Sendungen angenommen.
- Beschäftigungsmaschine: 2025 wurden 3.700 zusätzliche Jobs geschaffen, 270.000 Menschen waren in der KEP-Branche beschäftigt. Bis 2030 rechnet die Studie mit einem weiteren Bedarf von rechnerisch 23.000 Beschäftigten – vor allem Fahrer*innen und Zusteller*innen werden gesucht.
Die Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP) ist wie wenige andere Bereiche ein Seismograf der wirtschaftlichen Entwicklungen. Entsprechend zeichnet die KEP-Studie 2026 ein eher ernüchterndes Bild: Zwar ist das Sendungsvolumen 2025 erneut gewachsen (um 1,8 Prozent auf 4,37 Milliarden Päckchen und Pakete), doch deutlich weniger dynamisch als im Vorjahr. Der Umsatz stieg auf 28,4 Milliarden Euro, die Zahl der Beschäftigten auf rund 270.000 Menschen. „Was wir sehen, ist keine Stabilisierung, sondern eine Seitwärtsbewegung – in einem Markt, der durch Kostensteigerungen und Regulierungen immer herausfordernder wird“, bilanziert Studienautor Dr. Klaus Esser. Hinzu kommt: In der Versendungs-Hochphase während und nach der Corona-Pandemie haben viele KEP-Unternehmen massiv investiert. Eine Wiedererwirtschaftung der umfangreichen Investitionen wird nun jedoch durch die herausfordernde ökonomische Gesamtlage erschwert. Vor diesem Hintergrund verändern sich die Kräfte im KEP-Markt spürbar. Wir beschreiben, was die Ergebnisse der Studie für KEP-Unternehmen, Online-Händler und Kund*innen bedeuten.
Balanceakt der KEP-Branche unter steigendem Druck
In dem nur leicht wachsenden Markt sehen sich die Versandunternehmen vor der Herausforderung, gleichzeitig gestiegene Anforderungen an die Leistungsfähigkeit ihrer Dienstleistungen und höhere Kosten zu bewältigen. Der Durchschnittserlös ist 2025 zwar nominal gewachsen, kann aber weiterhin die Kostensteigerungen real nicht vollständig ausgleichen; die Margensituation bleibt angespannt. Zwei Faktoren treiben Kosten und Aufwand besonders: Beim Personal, das einen Kostenanteil von 40,5 Prozent ausmacht, wirken Mindestlohnentwicklung und Fachkräftemangel. Und auf der Regulierungsseite steigen die Anforderungen mit Blick auf umfangreiche Dokumentationspflichten, Nachhaltigkeitsreportings sowie an Cybersicherheit und kritische Infrastruktur.
„Diese Belastungen sind meist kein einheitlicher Kostenblock, sondern verteilen sich auf viele einzelne Ausgaben – etwa für Mitarbeitende, die für die Dokumentation eingesetzt werden“, so Dr. Esser.
Der Druck auf die Branche wird durch eine Verschiebung in den Versandsegmenten noch verschärft. Seit Jahren schon wächst B2C stärker als B2B – in der aktuellen Studie verzeichnet B2B sogar einen Rückgang um 0,3 Prozent, begründet in der schwachen deutschen Binnen- und Exportwirtschaft. Damit ist der B2B-Anteil so niedrig wie in keiner KEP-Studie zuvor. Und das hat Folgen, denn die Anzahl der Pakete pro Bestellung ist bei B2B deutlich höher und die Erstzustellquote liegt bei nahezu 100 Prozent – schließlich ist in Firmen während der Arbeitszeiten immer jemand da, der ein Paket annehmen kann. „Die Letzte Meile ist im B2C-Geschäft im Vergleich deutlich teurer. Der Wettbewerb im B2B-Bereich verstärkt sich nochmal deutlich“, sagt Dr. Esser.
Wenn die Kosten schneller steigen als der Markt selbst, liegen die Gegenstrategien auf der Hand: Die Netze besser auslasten, Prozesse mit KI und anderen digitalen Tools noch stärker optimieren und die Letzte Meile profitabler machen.
Out of Home-Zustellung als effiziente und flexible Option
Ein Hebel, um die Letzte Meile in puncto Effizienz weiterzuentwickeln, ist die Out of Home-Zustellung (OoH), etwa in Paketshops oder an Paketboxen. 1.050 Abholstandorte pro eine Million Einwohner weist die KEP-Studie für 2025 aus – ein starkes Infrastrukturangebot, aber die Haustürzustellung bleibt bei Kund*innen mit Abstand die erste Wahl. Immer noch 86 Prozent aller Sendungen gelangen über die Haustürzustellung zu den Empfänger*innen. Diese Zahl hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert und ist deutlich höher als in vielen europäischen Nachbarländern. In Skandinavien etwa ist die Lieferung an eine Abholstelle laut Studie die gängigste Methode. Auch die Kommunen in Deutschland suchen verstärkt nach Wegen, den Lieferverkehr vor allem in Wohngebieten zu reduzieren. „Gerade in den Städten muss vielleicht künftig nicht mehr jedes Paket direkt bis zur Haustür kommen“, sagt Dr. Esser. Stattdessen könnten in Abholhubs die Lieferungen für Siedlungen oder Stadtteile gebündelt werden. Es ginge insgesamt darum, das Out of Home-Angebot noch stärker auszubauen.
Langfristig, das macht die KEP-Studie deutlich, verschieben sich die Leistungsangebote auch insgesamt hin zu größerer Differenzierung: ein breites Serviceportfolio, das preislich gestaffelt und auf die jeweiligen Bedürfnisse der Kund*innen zugeschnitten ist. Denn es kristallisiert sich immer mehr heraus: Schnelligkeit ist kein Wert an sich, es kommt auf Flexibilität und eine bessere Planbarkeit der Zustellung für Empfänger*innen sowie Servicequalität und Verlässlichkeit an. Die zunehmende Digitalisierung in der Zustellung bleibt dabei elementar.
Lesen Sie dazu auch: Hermes Sendungsverfolgung und mehr – Wie Empfänger*innen von mehr Transparenz und Flexibilität profitieren
C2C gewinnt an Bedeutung
Zwar analysiert die KEP-Studie im Fokus den Markt der Kurier-, Express- und Paketlogistiker – doch auch für Versender*innen hält die Analyse wichtige Ergebnisse bereit. Ähnlich wie der KEP-Markt wächst auch der Online-Handel deutlich langsamer als in früheren Jahren, gebremst durch schwache Konsumstimmung und Unsicherheit. Das zeigt sich besonders deutlich im C2C-Segment, also dem Bereich von Privatversender*innen sowie von Konsument*innen, die über Online-Plattformen mit anderen Konsument*innen privaten Handel betreiben – etwa Gebrauchtartikel oder in Handarbeit gefertigte Produkte. C2C macht zwar aktuell nur 7 Prozent des nationalen Versandmarktes aus, konnte 2025 aber zweistellig wachsen. Anders gesagt: Die Menschen kaufen den neuen Pullover immer öfter bei Kleinanzeigen oder Vinted als bei klassischen Online-Händlern.
Der Wettbewerb wird also intensiver, vor allem im preissensiblen B2C-Segment. Der Zusammenhang zwischen Logistik und Conversion wird noch wichtiger, da die pünktliche, zuverlässige Lieferung von Kundenseite vorausgesetzt wird: Läuft alles reibungslos, wird sie kaum bemerkt. Doch geht etwas schief, kauft man beim nächsten Mal vielleicht lieber woanders.
Die Aufgabe, über die Prozesse und Aufwände hinter der Paketlogistik aufzuklären, liegt daher zum Teil auch bei den Online-Händlern. „Oft wird der Eindruck erweckt, das Hin- und Hergeschicke etwa von Retouren koste ja im Grunde nichts – was natürlich falsch ist, denn auch wenn formal keine Rücksendungskosten anfallen, schlagen sie sich spätestens in den Produktpreisen nieder“, so Dr. Esser. Der Studienautor erwartet daher auch im Online-Handel eine breitere Auffächerung des Angebots: Express, Same Day, Haustür, Paketshop, etc. „Wahlfreiheit ist für Kund*innen extrem wichtig, die Festlegung auf nur eine Option passt einfach nicht in unsere Zeit.“ Die Flexibilität wird also größer, der Komfort differenzierter. Deshalb sollten die verschiedenen Optionen unterschiedlich bepreist werden. „Kund*innen werden mehr Eigenverantwortung übernehmen müssen, etwa bei der Auswahl von Zustelloptionen oder Preismodellen“, ergänzt Dr. Esser.
Fazit: Den Umbruch meistern
Die KEP-Studie beschreibt eine Branche, die weiterhin wächst, aber unter schwierigen Rahmenbedingungen. Aktuell wird der Wachstumspfad nicht von Dynamik geprägt, sondern von Anpassung. Und das meint: Differenzierung im Angebot und Konzentration auf die jeweiligen Stärken. Für KEP-Unternehmen wird Effizienz wichtiger als Expansion. Online-Händler müssen Logistik noch stärker als Teil des Einkaufserlebnisses denken, um sich im Wettbewerb behaupten zu können. Und Kund*innen bekommen mehr Auswahl und Flexibilität – aber auch mehr Eigenverantwortung beim Komfort.
Auf längere Sicht bleibt der Ausblick der KEP-Studie optimistisch: Bis 2030 prognostiziert sie einen jährlichen Zuwachs der Sendungsmengen von 3,1 Prozent auf bis zu 5,08 Milliarden Sendungen im Jahr 2030. Schon im laufenden Jahr 2026 sollen B2C-Sendungen um bis zu vier Prozent zulegen und sogar das B2B-Segment wieder wachsen, wenn auch nur um ein Prozent. Auch seinem Ruf als Jobmotor soll der KEP-Markt weiter gerecht werden. Die Studie rechnet mit 23.000 Beschäftigten, die bis 2030 zusätzlich benötigt werden.
