Das Sendungsvolumen ist im Jahr 2025 auf 4,37 Milliarden Päckchen und Pakete angewachsen. Sie reisen durch Verteilzentren, in Lieferwagen, über Land- und Stadtstraßen, bis sie schließlich an die Haustür gebracht werden. Dahinter stecken hochkomplexe Prozesse sowie eine gewaltige Infrastruktur, die für die meisten Menschen vor allem auf der „Letzten Meile“ an der Haustür oder im Paketshop sichtbar wird. Sendungsspitzen, Netzwerk- und Sortierlogik, Tourenplanung, – dies alles passiert eher im Hintergrund. Wir blicken hinter die Kulissen und schauen, was hinter ausgewählten Mythen in puncto Paketzustellung steckt.
Mythos 1: Retouren sind kostenlos.
Das Management von Retouren ist anspruchsvoll und erfordert eine effiziente und ausgefeilte Logistikleistung. „Gratis“ werden Retouren häufig nur für Verbraucher*innen angeboten. Online-Händlern entstehen für Retouren Kosten etwa für Transport, Prüfung und Wiederaufbereitung der Ware.
Die Zahl der Rücksendungen ist im Jahr 2025 in Deutschland auf 550 Millionen angestiegen – das ist fast jedes vierte Paket. Die damit verbundenen Kosten werden von Online-Händlern häufig durch höhere Produktpreise oder bereits mit den Versandkosten an Kund*innen weitergegeben. Laut einer Studie des EHI Retail Instituts veranschlagen 18 Prozent der Online-Händler bis zu 5 Euro pro Retoure, 30 Prozent gaben Kosten in Höhe von 5 bis 10 Euro pro Artikel an, bei 26 Prozent liegen die Kosten zwischen zehn und zwanzig Euro.
Der gezielte Einsatz von KI im Kaufprozess sowie eine nachhaltige und transparente Retourenabwicklung können helfen, das Retourenmanagement so ressourceneffizient wie möglich zu gestalten. Dies wird etwa durch strategische, logistische Maßnahmen wie die Konsolidierung von Retourensendungen oder auch den Einsatz intelligenter Routenoptimierung unterstützt.
Mythos 2: Paketlieferungen sind meist nicht zuverlässig.
Paketdienstleister arbeiten mit hohem Engagement daran, jede Sendung zuverlässig ans Ziel zu bringen. Durch den Einsatz digitaler Kommunikation ist die Zustellung heute transparenter, planbarer und zuverlässiger denn je.
Der zunehmende Einsatz von Technologien sowie der Ausbau digitaler Services erhöhen die Zuverlässigkeit der Lieferkette und bieten Kund*innen heute eine umfassende Kontrolle und Planbarkeit im Zustellprozess. Ob Sendungsverfolgung, Live-Tracking oder weitere digitale Services wie eine Wunschzustellung – Kund*innen können heute aktiv in den Zustellprozess eingreifen und beispielsweise den Lieferzeitpunkt oder den Zustellort flexibel ändern. Mehr Flexibilität und gleichzeitig mehr Transparenz: Dies schafft Vertrauen und reduziert Unsicherheiten, da Kund*innen genau wissen, wann ihr Paket voraussichtlich ankommt.
Gleichzeitig ermöglicht der zunehmende Einsatz von Technologien und der Ausbau von digitalen Services und Tools Paketdienstleistern, den Zustellprozess effizienter zu gestalten. So konnten beispielsweise im vergangenen Geschäftsjahr 2025/26 bereits über 96 Prozent aller Hermes Paketsendungen beim ersten Zustellversuch erfolgreich abgeliefert werden.
Mythos 3: Je langsamer die Lieferung, desto nachhaltiger ist sie.
Wer für seine Bestellung die längere Lieferoption wählt, tut automatisch etwas fürs Klima? Dies ist nicht pauschal mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten, denn das Thema Nachhaltigkeit in der Logistik ist sehr komplex.
Entscheidend für die Reduktion von CO2-Emissionen ist nicht die Liefergeschwindigkeit, sondern vielmehr die Effizienz in der gesamten Lieferkette. Verschiedene Faktoren haben dabei einen Einfluss auf die ökologische Performance. Auf der Langen Strecke ist beispielsweise eine intelligente Tourenplanung, die Leerfahrten minimiert und die Auslastung der Transportmittel maximiert, von zentraler Bedeutung. In Europa soll laut Fraunhofer IML jede fünfte bis zweite Transportfahrt auf der Straße eine Leerfahrt sein, was ein enormes Optimierungspotenzial birgt.
Vom E-Transporter, über Lastenräder bis hin zu Wasserstoff- oder E-LKWs: Auch der zunehmende Einsatz alternativer Antriebe hat eine große Bedeutung, insbesondere auf der Letzten Meile können CO2-Emissionen bereits deutlich reduziert werden – laut Bundesverband Paket- und Expresslogistik (BPEX) um 22 Prozent pro Lieferung seit 2016.
Ein weiteres zentrales Thema ist zum Beispiel die Nutzung von Out-of-Home-Services – etwa die Zustellung an Paketshops oder Paketboxen, bei der Lieferungen gebündelt und damit die Anzahl von Touren reduziert wird.
Mythos 4: Die Zustellung funktioniert überall gleich.
One-Size-Fits-All-Lösung? Die Herausforderungen bei der Zustellung unterscheiden sich stark zwischen Stadt und Land – so unterschiedlich sind auch die Lösungsansätze in puncto Mobilitäts- und Logistikkonzepte.
Ein Paket ist ein Paket, egal ob es in die City von München oder auf den Bauernhof bei Klein-Kleckersdorf geschickt wird. Oder nicht? Tatsächlich gibt es unterschiedliche Herausforderungen für die Paketzustellung. In Städten ist die Lieferung von Paketen durch eine hohe Dichte an Adressen, aber auch durch Staus, Parkplatzmangel, die Notwendigkeit, Hinterhöfe oder höhere Stockwerke in Mehrfamilienhäusern zu erreichen, sowie durch Beschränkungen zum Beispiel durch Umweltzonen oder Fahrverbote geprägt. Auf dem Land dagegen sind vor allem lange Fahrstrecken und weniger Stopps und eine geringere Paketdichte pro Quadratkilometer eine Herausforderung., um die Zustellung möglichst effizient und kostensensibel zu gestalten.
Von Mikrodepots, über die Zustellung per Lastenrad oder E-Transporter bis hin zu Out-of-Home-Services – angesichts der differenzierten Herausforderungen bleiben maßgeschneiderte Lösungen unerlässlich – in der Stadt und auf dem Land. Das macht die Letzte Meile zu einem spannenden Innovationsfeld.
Mythos 5: Die Lieferung von Paketen ist komplett planbar.
Trotz intensiver Vorbereitung – es gibt unterschiedliche Faktoren, die den Zustellprozess stark beeinflussen können. Aber es gibt auch Lösungen.
Pakete sortieren, verladen, abliefern: Das klingt nach einem Prozess, der sich minutengenau vorhersagen lässt. Zustellunternehmen müssen permanent auf unvorhersehbare Ereignisse wie Verkehrsstaus, Baustellen, plötzliche Wetterumschwünge oder auch nicht angetroffene Empfänger*innen reagieren. Paketdienstleister arbeiten deshalb mit dynamischer Routenplanung, welche die Zustelltouren während des Tages anpasst. Mithilfe KI-gestützter Routingsysteme können beispielsweise die Wetterlage, Zustellzeitfenster oder Fahrzeugkapazitäten in Echtzeit berücksichtigt werden.
Paketzustellung ist also eher ein dynamisches Netzwerk als ein starres System. Die Kunst in der Logistik besteht nicht nur darin, jede Tour möglichst genau zu planen, sondern auch, mithilfe moderner Technologien und flexibler Strategien möglichst schnell und effizient auf Abweichungen zu reagieren, um die Letzte Meile effizient und nachhaltig zu gestalten.
