Einfach nur die Hand auflegen

Bisher hat sich das Bezahlen per Smartphone in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Das soll in Zukunft anders werden. Es gibt schon eine Menge cleverer Lösungen. Wer die Nutzer für sein System begeistern will, muss sich vor allem um eines kümmern: die Sicherheit.

In diesem kleinen Tabakladen in Frankreich können die Kunden bereits bargeldlos bezahlen, es reicht der Fingerabdruck. (Foto: picture alliance)

Bisher hat sich das Bezahlen per Smartphone in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Das soll in Zukunft anders werden. Es gibt schon eine Menge cleverer Lösungen. Wer die Nutzer für sein System begeistern will, muss sich vor allem um eines kümmern: die Sicherheit.

Wer sich für die glorreichen Zeiten von Björn Ulvaeus interessiert, muss eine Kreditkarte besitzen. Denn ins Abba-Museum in Stockholm kommt man mit Bargeld überhaupt nicht mehr hinein. Wenn es nach dem Abba-Star geht, sollte das Bargeld sowieso völlig aus unserem Leben verschwinden. Deshalb verzichtete der Popmusiker ein ganzes Jahr auf Bargeld. In seiner Heimat Schweden ist das nicht so aufregend, Kioske, Kinos, Busse und Bars akzeptieren Kartenzahlung. Viele Banken bieten in ihren Filialen überhaupt keine Bargelddienste mehr an. Schwierigkeiten hatte Ulvaeus nur im Supermarkt: Man braucht eine Münze, um einen Wagen für die Einkäufe auszuleihen.

In Deutschland hätte der Sänger mit seinem Selbstversuch vermutlich deutlich mehr Probleme gehabt. Während Länder wie Schweden in Sachen Mobile Payment in Europa schon ziemlich weit sind, ist in Deutschland noch Zurückhaltung angesagt. Nur elf Prozent, das hat das Statistische Bundesamt festgestellt, nutzen ihr Handy oder Tablet zum Bezahlen. 62 Prozent interessieren sich überhaupt nicht für die Technik. Noch immer wird die Hälfte aller Zahlungen im Handel mit Bargeld beglichen. Deutschland hängt an seinen Scheinen.

Trotzdem sagen Analysten dem mobilen Bezahlen eine große Zukunft voraus. Bis 2017, so schätzen die US-Analysten von Gartner, könnten 450 Millionen Menschen weltweit mit ihrem Handy bezahlen, zurzeit sind es schon etwas mehr als die Hälfte. Die Berater von Pricewaterhouse Coopers sagen voraus, dass auch in Deutschland die Kundenbasis von derzeit 176000 Nutzern bis 2020 auf elf Millionen ansteigen wird.

Schon jetzt gibt es clevere Lösungen. Mithilfe kleiner Aufsteckgeräte können Smartphones in Kredit- oder EC-Kartenlesegeräte verwandelt werden. Die Geräte werden entweder über die Kopfhörerbuchse oder per Bluetooth an das Smartphone oder Tablet angeschlossen. Sie sehen aus wie Taschenrechner und funktionieren wie klassische Terminals. Der Kunde prüft den Betrag auf dem Display, gibt seine Geheimzahl ein und bestätigt die Transaktion. 

Eine andere Möglichkeit ist die Nahfeldkommunikation (NFC). Die Bezahlung wird über einen Chip abgewickelt, der in einigen Handys standardmäßig verbaut ist oder mit Hilfe eines Stickers auf ihre Rückseite geklebt wird. Ein Funkterminal erkennt den Chip, sobald der Kunde sein Handy in die Nähe des Lesegeräts hält. NFC funktioniert auch ohne Internetverbindung. Händler müssen sich für den Einsatz der Technik ein NFC-fähiges Terminal anschaffen. Etwa 50000 gibt es in Deutschland derzeit. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass es rund 800000 Terminals gibt.

Außerdem gibt es den Versuch, mobiles Bezahlen über Apps zu etablieren. In Deutschland ist hier Yapital am Markt, eine Otto-Tochter. Für den Bezahlvorgang ist das Scannen eines QR-Codes notwendig. Zudem gibt es noch die Beacons-Technologie, die über Bluetooth Gutscheine aufs Handy sendet. In diesem Bereich ist vor allem Paypal erfolgreich.

Einige Hersteller arbeiten an noch viel moderneren Lösungen, biometrischen Verfahren, bei denen eine Transaktion per Herzschlag oder Venen-Scan bestätigt wird. Der Aufwand lohnt sich. Denn mobiles Bezahlen kann Unternehmen viele Vorteile bringen. Die Buchhaltung würde beispielsweise einfacher. Bei einem digitalen Kassensystem werden alle Rechnungen zentral gespeichert, egal wie die Kunden bezahlen. Doch das ist nicht der einzige Pluspunkt. Neben Rechnungen ließen sich auch Bestellungen und andere Kundendaten speichern, daraus Kaufmuster erstellen und Kundengewohnheiten analysieren.

Außerdem geben Kunden, die eine Rechnung mit Karte oder Handy begleichen lockerer Geld aus. Der „Pain of Payment“, der Schmerz beim Bezahlen, ist am größten, wenn Kunden bar zahlen, weil sie den Verlust sofort spüren, haben Forscher aus Pittsburgh herausgefunden.

Noch sind die Gebühren bei den mobilen Anbietern höher als bei klassischen Terminals. Doch das dürfte sich mittelfristig ändern, schätzen Experten. Mit jedem neuen Player, der in den Markt einsteigt, wächst der Preisdruck auf die anderen Teilnehmer. Mit seinem neuesten Telefon hat Apple in den USA seinen Bezahldienst Apple Pay gestartet. Kurz davor hat Amazon seinen Ansteckkartenleser „Local Register“ vorgestellt. In Deutschland waren in der zweiten Jahreshälfte 2014 rund 30 Mobile Payments verfügbar, vorangetrieben von Technologie- und Mobilfunkkonzernen, Handelsunternehmen und Start-Ups. Die Experten diskutieren im Moment vor allem darüber, welche Technik sich am Ende durchsetzt: NFC, QR-Codes, BLE oder iBeacons. Kunden sind vor allem daran interessiert, dass das System einfach zu bedienen ist und ihnen einen Mehrwert bietet.

Wer die Benutzer in Deutschland für sein System begeistern will, muss sich vor allem um eine Sache besonders kümmern: die Sicherheit. Gerade bei mobilen Geräten ist die Skepsis hierzulande immer noch groß. Im Gegensatz zu Kartenterminals, die nur zum Zweck des Geldabhebens gebaut werden, ist das Handy ein Multifunktionsgerät, das auch zum Mailen, Spielen und Lesen genutzt wird. Mobiltelefone können bei jeder dieser Anwendungen manipuliert oder gehackt werden. Wer seine Kunden beruhigen will, sollte die Standards und Verhaltensregeln beherzigen, welche die Kreditwirtschaft für den Umgang von Unternehmen mit Mobile Payment erarbeitet hat. 

Eines sollten die Skeptiker im Kopf haben. Auch Bargeld ist kein vollkommen sicheres Zahlungsmittel. Es wird gefälscht oder gestohlen. Händler müssen es zur Bank bringen, einzahlen, weg schließen und versichern.

Genau deshalb hat sich Björn Ulvaeus gegen Bargeld entschieden. Und wer weiß, vielleicht könnte er seinen Selbstversuch schon bald in Deutschland durchführen. Und für den Einkaufswagen im Supermarkt reicht hier ja auch ein Plastikchip.

Nächster Artikel