Um einen wesentlichen Teil der Energie selbst zu erzeugen und dabei gleichzeitig die Ressourcen zu schonen, hat Hermes im Versandzentrum Haldensleben im vergangenen Jahr ein modernes Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen. (Foto: Hermes)

Nachhaltigkeit: Was eine Immobilie wertvoll macht

Auch in der Logistik achten Unternehmen immer mehr auf die Nachhaltigkeit ihrer Immobilien. Weil es gut für den Klimaschutz ist und ganz nebenbei die Gebäude enorm aufwertet.

Artikel teilen auf

Über die Ästhetik von Logistikimmobilien kann man streiten. Die großen, meist grauen Boxen gehören nicht unbedingt zu den architektonischen Highlights einer Region. Aber abgesehen von ihrer äußeren Schönheit haben die Lager- und Umschlagshallen in letzter Zeit eine beachtliche Karriere hingelegt.

Deutsche Logistikimmobilien sind so begehrt wie noch nie. Wenn es so weitergeht, wird auch dieses Jahr wieder ein Rekordjahr. Der Flächenumsatz stieg alleine im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf 3,3 Millionen Quadratmeter, das hat das Immobilienberatungsunternehmen JLL berechnet. Die Investitionen stiegen in dieser Zeit um zwölf Prozent auf einen neuen Höchstwert – 1,85 Milliarden Euro.

Nachhaltigkeit steigert Immobilienwert

Doch wer glaubt, die Architekten und Betreiber von Logistikimmobilien könnten sich bei so viel Nachfrage alles erlauben, der irrt. Die Branche hat immer wieder mit dem Widerstand der Bevölkerung zu kämpfen. Doch das ist nur ein Grund, warum die Gebäude über stetig steigende Standards verfügen.

Vor allem der Nachhaltigkeitsfaktor spielt eine wichtige Rolle, wenn es heute um den Wert einer Immobilie geht. Die Entwicklung einer nachhaltigen Immobilie macht sich gleich mehrfach bemerkbar. Zum einen profitiert der Mieter oder Betreiber direkt von den geringen laufenden Betriebskosten. Aber auch langfristig zahlt sich die Rücksicht auf die Umwelt aus. Sollte es beispielsweise so weit kommen, dass der Ausstoß von CO2 beim Betrieb einer Immobilie kostenpflichtig wird, werden die CO2-neutralen Immobilien noch beliebter werden. Die wichtigsten Faktoren, um das schaffen zu können, sind die Beleuchtung, das Heizsystem und die Wärmedämmung.

Schon beim Bau an alles denken

Bei Hermes bemühen sich die Verantwortlichen seit 10 Jahren darum, nicht nur beim Transport, sondern auch in den Logistik- und Verwaltungsgebäuden einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Bis 2020 sollen die CO2-Emmissionen an den Standorten mindestens halbiert werden. An zehn Standorten wird Biomasse als nachwachsender Rohstoff eingesetzt. Durch Photovoltaikanlagen auf Hallendächern kann die Sonnenenergie genutzt werden. Um Energie bedarfsgerecht zu generieren, kommen an verschiedenen Standorten Blockheizkraftwerke zum Einsatz – pro Kraftwerk lassen sich im Jahr 1000 Tonnen CO2 einsparen.

Am einfachsten ist das zu Erreichen, wenn schon in der Planungsphase einer Immobilie an alles gedacht wird. Hermes lässt seine Standorte daher von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifizieren, also nach einem System, das die ökonomische, soziale und ökologische Qualität einer Gewerbeimmobilie über den kompletten Gebäudelebenszyklus hinweg bewertet. Für alle Standorte, die aktuell oder bis neu 2018 gebaut werden, wird der Goldstandard angestrebt.

Anlässlich der Expo Real in München wurde erst kürzlich dem Hermes Neubau in Löhne der DGNB Standard Gold attestiert. Die Auszeichnung für den Neubau in Löhne begründete die DNGB-Jury mit der besonderen Funktionalität. Die Zusammenlegung von Lager und Hauptumschlagbasis innerhalb eines Komplexes verbessere nicht nur innerbetriebliche Abläufe, sondern komme auch der Umwelt zugute. Aufgrund des verringerten Verkehrsaufkommens zwischen den Betriebsstätten würden zudem jährlich bis zu 300 Tonnen weniger Kohlendioxid anfallen. Die Ausstattung aller Hallen und Büros mit LED-Leuchten verringere zudem den Stromverbrauch um rund 45 Prozent.

Ein Gebäude für alle Ansprüche

Um auch in Zukunft attraktiv zu bleiben, müssen die Logistikimmobilien aber noch weitere Kriterien erfüllen. Das zeigt die zweite Ausgabe der Studie „Logistik und Immobilie“, die von den Unternehmen Bulwiengesa, Berlin Hyp, Bremer, Goodman und Savills herausgegeben wurde. Immer mehr Unternehmen, so die Studie, werden zur Miete in die Immobilie einziehen, was dazu führt, dass die Anlagen möglichst vielen Anforderungen gerecht werden können müssen. Die Gebäude werden also in Zukunft noch höhere technische Ansprüche erfüllen können, damit beispielsweise durch eine modulare Bauweise flexibel Flächen hinzugefügt werden können, wenn der Mieter mehr Platz braucht.

Leimholzbinder für das Dachtragewerk, sensorgesteuerte LED-Beleuchtung – das alles kostet Geld, viel Geld. Und das wollen nicht alle ausgeben. Zwar sind 85 Prozent der befragten Manager der Studie damit einverstanden, regenerative Strom- und Heizungsversorgung zu verwenden. Aber nur 15 Prozent sind bereit, dafür auch mehr zu bezahlen. Das Problem ist, dass sich die Investitionen erst nach ein paar Jahren finanziell rechnen. Doch irgendwann werden auch diese Unternehmer merken, dass sie sich besser auf die Neuerungen einlassen. Schließlich betragen die Nebenkosten mancherorts schon 50 Prozent der Miete. Und bei einigen Entwicklungen können sie sich gar nicht entziehen, weil es einfach eine technisch Norm gibt. Weil beispielsweise die Beleuchtung an Arbeitsplätzen einer bestimmten Din-Norm entsprechen muss, setzt sich die LED-Technik auf breiter Front durch. Und dadurch entstehen enorme Einsparungen.