Zusteller von Hermes in Hamburg. (Foto: Hermes)

Aktuelle Studie untersucht Preise im deutschen Paketmarkt

Gastbeitrag von Daniel Steffens, Strategy & CR, Hermes Germany 

Konkurrenz belebt das Geschäft – diesem Grundsatz stellt sich Hermes Germany als größter postunabhängiger Paketdienstleister in Deutschland selbstbewusst. Aber ein funktionierender Wettbewerb braucht auch faire Regeln. Die deutschen Brief- und Paketmärkte sind jedoch bis heute geprägt von den ehemaligen Monopolstrukturen und der daraus folgenden Sonderstellung der Deutsche Post AG. Dass diese Strukturen zum Teil auch heute noch nachwirken, monieren einige Kritiker immer wieder, vor allem Wettbewerber und Institutionen wie die Monopolkommission. Doch lässt sich diese Benachteiligung auch in Zahlen ausdrücken? WIK-Consult, die Beratungsgesellschaft des renommierten Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste aus Bonn, hat nachgerechnet – und bringt Licht ins Dunkel.

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Steigende Sendungsmengen haben den Paketmarkt in den letzten Jahren immer attraktiver gemacht. Die angeschobene Marktliberalisierung hat zu Investitionen in die logistische Infrastruktur, zu günstigen Preisen für Verbraucherinnen und Verbraucher und einem hohen Qualitätsniveau geführt. Wettbewerber, die bislang nur im B2B-Paketgeschäft aktiv waren, sind aktuell genauso wie große Versandhändler (z.B. Amazon) im B2C-Geschäft aktiv. Die Rahmenbedingungen verändern sich also offensichtlich im Interesse aller Paketkunden. Nur eines bleibt gleich: Marktführer ist mit einem Marktanteil von ca. 60 Prozent die Deutsche Post AG, die als einziges Unternehmen im Postdienstleistungsbereich bundesweit sowohl im Brief- als auch im Paketgeschäft tätig ist. Aufgrund ihrer Marktmacht steht die Deutsche Post unter besonderer Beobachtung: Die Bundesnetzagentur, die für die Regulierung der Post- und Paketmärkte in Deutschland zuständig ist, konstatiert eine „marktbeherrschende Stellung“.

Hinter den Kulissen des Postmarkts

Daniel Steffens (Foto: privat)

Die DHL Paket GmbH übernimmt im Konzern den Vertrieb und das Marketing für Geschäftskundenpakete und kauft Leistungen bei der Deutsche Post AG ein. Der von verschiedenen Mitbewerbern erhobene Vorwurf lautet auf den Punkt gebracht, dass die Deutsche Post AG über diese Struktur ihre Marktmacht ausnutzt, indem Geschäftskundenpakete aus anderen Unternehmensbereichen subventioniert und so günstig angeboten werden. Die internen Verrechnungspreise decken die tatsächlich anfallenden Kosten offensichtlich nicht. Dies würde eine massive Wettbewerbsverzerrung und damit eine fragwürdige Praxis des Preiskampfes bedeuten.

Allerdings: In einem sogenannten „Vorermittlungsverfahren“ (2011) hat die Bundesnetzagentur zunächst keine kostenunterdeckenden Paketentgelte, also keine Belege für eine solche Quersubventionierung, festgestellt. Sie hat daher auf die Einleitung eines formellen Verfahrens verzichtet. Eine Tatsache jedoch wirft Fragen auf: Die Verrechnungspreise zwischen der Vertriebstochter DHL Paket GmbH und der Deutsche Post AG sind zwischen 2006 und 2014 nachweislich nicht erhöht worden – und das trotz der (für alle Marktteilnehmer) steigenden Kosten in der Paketzustellung, z.B. für Kraftstoffe, Maut, Transportraum und Arbeitslöhne.

Das verwundert. Denn die Wahrnehmung der meisten Postkunden ist, dass die Preise für viele Dienstleistungen des Unternehmens mit hoher Regelmäßigkeit merklich gestiegen sind. Belegbar sind zuletzt z.B. auch die Preise der Güterbeförderung im Straßenverkehr gestiegen, genauso wie weitere für den Paketversand relevante Kosten.

wik-Studie stützt Verdacht

Höchste Zeit also, einmal genauer hinzusehen. Im Auftrag von Hermes Germany hat WIK-Consult die Kostenstruktur der Deutsche Post AG untersucht und verschiedene Erzeugerpreise in einem Index zusammengefasst, um die Kostenentwicklung in der Paketbeförderung im relevanten Zeitraum einschätzen zu können. Das klare Ergebnis: Der von WIK-Consult erstellte Kostenindex weist eindeutig nach, dass die Stückkosten in der Paketbeförderung zwischen 2006 und 2014 gestiegen sind. Und zwar jährlich um 1,2 Prozent, seit 2006 also um insgesamt 10 Prozent. Diese Erkenntnis erhärtet damit den Verdacht einer relevanten Kostenunterdeckung allein durch die fortgesetzte Anwendung eines konstanten Verrechnungspreises. Das Institut geht insgesamt von einer Kostenunterdeckung in einer Größenordnung zwischen 840 Mio. und 1,05 Mrd. Euro aus.

Ergo: Die vorgelegte Studie liefert mehr als deutliche Anhaltspunkte zur Begründung des Vorwurfes der Quersubventionierung bei der Deutsche Post AG in Richtung des Geschäftskundenpaketgeschäfts und zum Nachteil der Wettbewerber. Seitens politischer Vertreter und Behörden wurde in den letzten Jahren zu Recht gefordert, diesen Vorwurf mit konkreten Zahlen zu untermauern. Der unterstellte Sachverhalt ist nunmehr glaubwürdig wissenschaftlich untersucht.

Konkrete Forderungen

Für Hermes Germany ergeben sich aus dem Ergebnis der Studie konkrete Forderungen:

  1. eine rechtsverbindliche Missbrauchskontrolle des Verrechnungspreises durch die Bundesnetzagentur sowie dessen Anhebung auf Marktniveau,
  2. die Verpflichtung der Deutsche Post AG zur getrennten Bilanzierung der Bereiche Brief und Paket,
  3. ein Antragsrecht für Dritte auf Eröffnung eines Missbrauchsverfahrens bei der Bundesnetzagentur analog zum bestehenden Antragsrecht im Telekommunikationsgesetz.

Damit sind klare Konsequenzen verbunden. Eine Stärkung des Wettbewerbs durch Unterbindung der Quersubventionierung beim marktbeherrschenden Unternehmen würde nicht nur die Leistungs- und Innovationsfähigkeit auf dem Paketmarkt fördern, sondern auch einen Beitrag zum Wachstum leisten und letztlich den Verbraucherinnen und Verbrauchern durch angemessen günstige Angebote zu Gute kommen. Heißt: Von einer konsequenten Liberalisierung des Paketmarktes profitieren am Ende alle.


Studie zum Download:
Dr. Christian M. Bender, Alex Kalevi Dieke, Antonia Niederprüm: „Kostenentwicklung in der Paketbeförderung der Deutsche Post AG“, WIK-Consult, 2016