Digitalisierung Letzte Meile Intelligente Tourenplanung: Wertvolle Unterstützung und wirksame Optimierung im Zustellprozess

Seit Mai 2018 setzt Hermes auf die intelligente Tourenplanung. Das erste Fazit fällt sehr positiv aus: Die digitale Lösung ermöglicht nicht nur eine präzisere und effizientere Zustellung, sie ist auch eine wichtige technische Unterstützung im Arbeitsalltag für Zusteller.

Tablet mit der digitalen Tourenplanung im Einsatz. (Foto: willing-holtz)

Als Hermann Stock vor mehr als 15 Jahren seine ersten Hermes-Lieferungen im Ostalbkreis zustellte, kamen noch zahllose Papierlisten mit Anschriften und Straßenkarten zum Einsatz. Heute genügt dem Schwaben ein Tablet inklusive „NUNAV Courier“-Software, die ihm den optimalen Verlauf seiner Zustelltour berechnet.


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„Die intelligente Tourenplanung hilft uns, die Arbeit ordentlich und auch wirklich sinnvoll zu machen“, berichtet der erfahrene Zusteller. Missen will er „den Helfer“ nicht mehr, so gut er seine Gegend auch kennt. Und damit ist er nicht allein: Bundesweit stehen die Geräte samt Software rund 11.000 Zustellern als Unterstützung zur Verfügung. „Es steht ihnen es frei, das digitale Tool zu verwenden. Vor diesem Hintergrund ist eine Nutzungsrate von derzeit rund 75% als sehr gut zu bewerten – zeigt sie doch, dass die technische Unterstützung als hilfreich wahr- und angenommen wird“, erläutert Markus Haller, Head of Network Design bei Hermes Germany. Paketboten können sich dank des Tools auf den Kern ihrer Arbeit konzentrieren – das Zustellen. Gleichzeitig wird die Einarbeitung neuer Zusteller erleichtert und die Fahrerbindung gefördert.

Mehr Produktivität, weniger CO2-Emissionen

Die datenbasierte und dynamische Optimierung von Sendungsreihenfolge und Routenführung, die auch einen verbesserten Fahrtfluss (weniger Stop-and-go) bedeutet, ermöglicht eine Steigerung der Produktivität, das bedeutet eine höhere Anzahl zugestellter Sendungen pro Stunde – und das ohne zusätzliche Belastung des Zustellers. Im Gegenteil: Insbesondere im dichten Verkehr in städtischen Gebieten wird dieser merklich entlastet.

Gleichzeitig ist bereits ein deutlicher CO2-Einspareffekt zu beobachten: Mit der digitalen Tourenplanung werden derzeit ca. 530.000 km täglich gefahren. Um rund 40.000 (7%) konnten die täglich gefahrenen Kilometer durch das Tool bereits reduziert werden. Dies entspricht schätzungsweise in etwa 12-16 Tonnen CO2 (Je nach Basis: Kraftstofftyp und durchschnittlicher Verbrauch eines Fahrzeugs).

Mit Schwarmintelligenz und Echtzeit-Daten ans Ziel

Die digitale Tourenplanung basiert auf der „NUNAV Courier“-Software des Hannoveraner Start-ups Graphmasters. Die Funktionsweise ist im Prinzip denkbar simpel. Die entsprechenden Sendungsdaten werden vom Scanner an einen Computer gesendet. Der entwirft die optimale Route und leitet sie an das Tablet im Fahrzeug des Zustellers.

Die intelligente Navigation kann die Route schnell anpassen, einem drohenden Stau aus dem Weg gehen und dem Zusteller somit präzise Empfehlungen für die Route geben. „Wann wird irgendwo ein Stau entstehen und was heißt das für mich als Zusteller? Fahre ich vielleicht drum herum oder steuere ich vielleicht trotzdem auf die Verdichtung zu? ,Kollaboratives Routing‘ nennen wir das“, erklärt Sebastian Heise, COO und Gründer des Hannoveraner Start-ups Graphmasters.

Die Berechnung der Route erfolgt dabei auf Basis von Echtzeit-Daten. Das Thema Schwarmintelligenz spielt hier eine wichtige Rolle. Per Feedback-Funktion können der App Verkehrsbehinderungen gemeldet werden, die dann in die Routenberechnung miteinfließen. Und selbst wenn die Fahrer nicht aktiv über den Verkehr informieren, lernt die Software mit.

„Wenn der Zusteller einen Schleichweg fährt, merkt sich das System diese Wege und berücksichtigt diese in der zukünftigen Planung“, erklärt Markus Haller. So hilft die Software nicht nur den Hermes-Zustellern schneller an ihre Ziele zu gelangen, sondern auch den städtischen Verkehr besser auf das bestehende Straßennetz zu verteilen – auch, da nicht allen derselbe Weg empfohlen wird, um einen Stau zu umfahren, sondern jeder eine unterschiedliche Alternativroute bekommt.

Zurück zu Zetteln und Karten möchte daher auch Hermann Stock nicht mehr. „Ein bisschen skeptisch“ sei er zwar am Anfang schon gewesen, gibt er zu. Doch „es hat sich relativ schnell beruhigt. In der Zwischenzeit ist es so, dass ich das Tablet nicht mehr hergeben will.“ Seine Meinung ist klar – digital ist einfach besser.

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