Happy Birthday, Hermes-OTTO International!

Hermes-OTTO International (H-OI) wird 50 Jahre alt. Fünf Jahrzehnte, in denen sich H-OI vom Beschaffungsbüro zu einer global tätigen Handels- und Dienstleistungsorganisation entwickelt hat. Im Interview zieht CEO Michael Dumke Bilanz und spricht über Jetlag, Kulturwandel - und neue Herausforderungen.

Auditorin Amanda Peng von Hermes-OTTO International interviewt eine Mitarbeiterin einer chinesischen Textilfabrik. (Foto: Hermes)

Hermes-OTTO International (H-OI) feiert heute 50. Geburtstag. Fünf Jahrzehnte, in denen sich die H-OI erfolgreich vom Otto-Beschaffungsbüro mit Sitz in Hongkong zu einer global tätigen Handels- und Dienstleistungsorganisation entwickelt hat. Ihr CEO Michael Dumke war (fast) von Anfang an dabei. Die Glückwünsche zum Geburtstag haben wir ihm persönlich übermittelt. Im Interview mit der Newsroom-Redaktion zieht er Bilanz und spricht über Jetlag, Kulturwandel – und neue Herausforderungen.

50 Jahre H-OI – Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlt sich das heutige Jubiläum für Sie an?

Michael Dumke, Vorsitzender der Geschäfstführung, Hermes-OTTO International. (Foto: Hermes)
Michael Dumke, Vorsitzender der Geschäfstführung, Hermes-OTTO International. (Foto: Hermes)

Michael Dumke: Es fühlt sich toll an! Ich bin persönlich sehr stolz, diesen runden Geburtstag, zumal als CEO, ausrichten zu dürfen. Für mich sind daran besondere Erinnerungen geknüpft. Denn schon das 25. Jubiläum – vor exakt 25 Jahren – habe ich als Trainee mitgefeiert. Man kann also zu Recht behaupten, ich bin ein Teil der Historie (lacht). Das ist eine große Ehre.

H-OI ist das älteste Unternehmen in der Hermes Gruppe. Wie hat H-OI es geschafft, sich so lange erfolgreich in diesem volatilen Markt zu behaupten?

Michael Dumke: Die Entwicklung der H-OI ist in der Tat beeindruckend – das Unternehmen ist über die Jahre vom ehemals kleinen Beschaffungsbüro der Otto Group zu einer globalen Sourcing-Organisation erwachsen. Gestartet sind wir 1966 mit fünf ambitionierten Mitarbeitern, die noch nicht einmal alle Englisch konnten. Heute ist H-OI die Nummer Zwei im Sourcing-Markt, mit 1.400 Mitarbeitern an 20 Standorten. Das ist ein beachtlicher Weg!
Positiv hat sich ausgewirkt, dass wir uns in den letzten Jahren sehr klar auf die Bedarfe unserer Kunden fokussiert und breit aufgestellt haben. Auf diese Weise haben wir einen guten Mix aus Auftraggebern inner- und außerhalb der Otto Group etabliert. Trotzdem ist H-OI eine große Familie geblieben – mit vielen langjährig loyalen Mitarbeitern und einem sehr guten Betriebsklima. Mit einem so hoch motivierten Team kann man auch mal schwierige Zeiten meistern, die es für uns ebenfalls gab. Was zählt, ist die Bereitschaft, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Das ist ja nicht zuletzt auch in der chinesischen Kultur so angelegt.
Über die gesamten 50 Jahre ist Hongkong immer unser zentraler Firmensitz geblieben.

China bleibt der wichtigste Beschaffungsmarkt

Für die Beschaffung gilt: Die „Karawane“ zieht immer weiter. Welches sind aktuell die wichtigsten Produktionsstandorte – und wo geht die Reise als nächstes hin?

Michael Dumke: Richtig ist: Die Beschaffung ist ein extrem preissensibles Feld. Hersteller und Händler reagieren sofort, wenn die Preise schwanken. Auch wenn die Entwicklung aktuell leicht rückläufig ist, wird China absehbar der wichtigste Beschaffungsmarkt bleiben. 46 Prozent unserer Waren werden dort beschafft, gefolgt von Indien (16 Prozent), Bangladesch (13 Prozent) und der Türkei (11 Prozent) als größter Produktionsstandort in Europa. Neue Märkte holen auf. Dazu gehören z.B. Myanmar, Kambodscha oder Vietnam. Auch Afrika wird immer interessanter. Für uns aktuell speziell im Kontext der Initiative „Cotton made in Africa“, über die in Afrika der nachhaltige Anbau von Baumwolle gefördert wird.

Welche Rolle spielt das Thema Big Data beim Sourcing?

Michael Dumke: Die digitale Transformation ist überall im Handel ein wichtiges Thema. Sie betrifft z.B. die zunehmende Automatisierung in den Fabriken – auch wenn man fairerweise konstatieren muss, dass diese in vielen Ländern noch Zukunftsmusik ist. Big Data tangiert aber auch das Datenmanagement mit unseren Kunden und Lieferanten, eines Tages sicher auch das Thema 3D-Printing oder „virtual fitting“, die virtuelle Umkleidekabine. Ein zentraler Punkt ist in diesem Zusammenhang auch das Thema Schnelligkeit im gesamten Produktionsprozess. Das ist schon jetzt und in Zukunft noch mehr die größte Herausforderung in der Branche.

Stichwort Sozialstandards: Wie halten Sie nach, dass hohe Standards eingehalten werden? Wo liegen die größten Herausforderungen?

Michael Dumke: Hohe Sozialstandards sind für uns als Otto Group-Unternehmen seit jeher Pflicht. Zuletzt haben wir sie sogar noch stärker in den Fokus gerückt. 2014 haben wir z.B. die HOI-Tochter Astra gegründet, die sich explizit um die Einhaltung von Sozialstandards sowie die Durchführung von Audits und Inspektionen kümmert. Das heißt, wir lassen jede Fabrik, die sich bei uns bewirbt, zunächst intern nach den Standards der Otto Group auditieren. Nur ein Betrieb, der das Audit besteht, darf sich überhaupt vorstellen. Die Auditierung fußt auf den Grundsätzen der Business Social Compliance Initiative (BSCI) und betont den Wert von Kooperation. Werden bestimmte Anforderungen nicht erfüllt, muss nachgebessert werden. Nur, wenn dauerhaft kein Fortschritt bzw. der Wille dazu erkennbar ist oder bei „No gos“ wie z.B. Kinderarbeit etc., trennen wir uns. Und: Viele Betriebe im Ausland beginnen erst jetzt, den Wert dieser Audits zu ihrem eigenen Vorteil zu erkennen.

Zusammenarbeit mit 800 Fabriken

Auch die Produkte, die Sie für Ihre Kunden beschaffen, variieren. Die Otto Group vertreibt z.B. immer mehr Möbelstücke. Wie wirkt sich die veränderte Nachfrage auf Ihren Sourcing-Alltag aus?

Verkürzte Vorlaufzeiten durch neue Mustreproduktion ("Sample Room") welche die Produktentwicklung in Dongguan begleitet. (Foto: Hermes)
Verkürzte Vorlaufzeiten durch neue Mustreproduktion („Sample Room“) welche die Produktentwicklung in Dongguan begleitet. (Foto: Hermes)

Michael Dumke: Nach wie vor beschaffen wir für unsere Kunden 80 Prozent Textilien und rund 20 Prozent Hartwaren. Natürlich bemerken wir, dass im Otto Konzern eine Veränderung stattfindet. Wir haben jedoch mittlerweile einen Kundenstamm von mehr als 50 Kunden und arbeiten mit bis zu 800 Fabriken zusammen, teils auch mit kleineren Sortimenten. Da gleichen sich minimale Schwankungen in der Produktkombination leicht aus.

Sie selbst sind seit vielen Jahren Teil der Otto Group. Bedeutet Globalisierung eigentlich auch, dass Sie selbst immer mehr reisen müssen?

Michael Dumke: Interessanterweise ja! Wir sprechen zwischen Hamburg und Hongkong von einer Zeitverschiebung von aktuell sieben Stunden. Wenn man diese Reise wie ich pro Jahr fast zehn Mal antritt, merkt man den Jetlag jedes Mal deutlich. Hinzu kommen die stetigen Besuche unserer Beschaffungsbüros weltweit. Ich bin jetzt seit fünf Jahren CEO bei H-OI, seit zwei Jahren haben wir das strategische Ziel der Neukundengewinnung priorisiert. Seitdem hat der Faktor Reisen noch einmal deutlich zugenommen. Ich habe meine Familie in Hongkong, die Arbeit macht mir viel Freude. Fazit: Bei H-OI habe ich es zwar nicht ganz vom Tellerwäscher zum Millionär geschafft – aber ich bin sehr zufrieden. Ein toller Job!

Die Otto Group durchläuft derzeit einen Kulturwandel. Was kommt davon bei Ihnen an bzw. wie gestalten Sie den Kulturwandel bei H-OI?

Michael Dumke: Wie ich den Kulturwandel verstehe, geht es ja tatsächlich nicht darum, eine Kultur vom Headquarter zu übernehmen, sondern die eigene positiv fortzuentwickeln. Genau das tun wir aktuell sehr engagiert. Die H-OI ist ja schon immer ein „Exot“ im Hermes Verbund, aber auch im Otto-Konzern gewesen. Das allein schon wegen unserer Basis in Hongkong, den vielen Nationalitäten oder dem Englischen als Unternehmenssprache. Entsprechend sind auch unsere Themen anders gelagert. Wir beschäftigen uns z.B. mit flexiblen Arbeitszeiten, was in Asien eine Besonderheit ist. Wir bemühen uns um eine transparente Kommunikation und ein modernes Talent Management. Das alles wird von den Kollegen ausgesprochen positiv honoriert. Allein die Duz-Kultur, die in Deutschland so viel Aufsehen erregt, spielt bei uns überhaupt keine Rolle. Da sind wir einen Schritt weiter.

Zum Schluss: Was kommt als nächstes? Welche „Highlights“ stehen H-OI z.B. 2017 bevor?

Michael Dumke: Das Jubiläum hat uns im Vorwege bereits viel Freude bereitet. Zu den Feierlichkeiten erwarten wir u.a. Dr. Michael Otto sowie die Vorstände Hanjo Schneider und Neela Montgomery. Zum ersten Mal sind zusätzlich alle in Hongkong ansässigen H-OI-Mitarbeiter eingeladen, d.h. wir erwarten rund 370 Gäste. Ich glaube, diesen Moment des Feierns und des kurzen Innehaltens haben wir uns redlich verdient. Zugleich wissen wir, dass 2017 erneut ein Jahr großer Herausforderungen sein wird. Das suggeriert die aktuelle weltpolitische Lage mit neuen Regierungen und der damit einher gehenden Unsicherheit, aber auch die Angst vor Krieg, Terror und Sanktionen. Uns als Einkäufer betrifft jede dieser Veränderungen in fast seismographischer Präzision sofort. Wenn ich mir also etwas für die Zukunft wünschen darf, dann vor allem, dass sich die Situation beruhigt und wir uns wieder auf einen friedlichen Handel konzentrieren können, von dem letztlich alle profitieren.

Weiterlesen
Nächster Artikel