Hermes Weihnachtsfilm 2016 Das Rentier des Grauens

Ein Rentier, blinkend, krächzend, steht im Mittelpunkt des Hermes Weihnachtsfilms 2016. Weshalb eigentlich? Wir sprachen mit Nils Haseborg von der Agentur HEIMAT und Regisseurin Mona El Mansouri über nervige Geschenke und besondere Verwandte.

Szene aus dem Weihnachtsspot von Hermes. (Foto: Hermes)

Weihnachten, Geschenke, Besinnlichkeit – ein toller Abend! Hätte nur die liebe Verwandtschaft nicht dieses unfassbar nervige Geschenk geschickt.  Ein Rentier, blinkend, krächzend, kurzweg: Furchtbar. Mit exakt diesem Plot wirbt Hermes für den Paketversand zu Weihnachten 2016. Weshalb eigentlich? Wir sprachen mit Nils Haseborg, Creative Director der Hamburger Agentur HEIMAT, und Regisseurin Mona El Mansouri.

Warum ein wild blinkendes Kuschel-Rentier, das unentwegt „Merry Christmas“ wünscht?

Haseborg: Wir wollten einen Film machen, der sich von den anderen Weihnachtsfilmen abhebt. Nach Edekas Viralerfolg #heimkommen im letzten Jahr war für uns klar, dass viele Marken dieses Jahr in diese emotionale Kerbe schlagen würden. Deshalb: ja, natürlich wird in einem Hermes Weihnachtsfilm ein Weihnachtsgeschenk verschickt. Aber bitte eines, das Aufmerksamkeit erzeugt und irgendwie anders ist, als andere Geschenke.

Was würden Sie tun, wenn Sie selbst so ein Geschenk zu Weihnachten bekämen?

El Mansouri: Ich kenne diese Erfahrung, denn ich habe einen Sohn. Ehrlich gesagt, habe ich heimlich die Batterien entfernt, aber mein Sohn hat sich dann die der Fernbedienung genommen.

Hommage an die Paketverwandtschaft

Weil es Dir wichtig ist, ist es uns wichtig“, lautet der neue Kampagnenclaim von Hermes in Deutschland. Herr Haseborg, wie wichtig war Ihnen dieser Film?

Haseborg: Sehr wichtig. Auf einer Skala von eins bis zehn: eine zwölf. Er war der erste größere kommunikative Aufschlag unter dem neuem Kampagnendach und dann auch noch ein Weihnachtsfilm. Viel wichtiger kann es kaum werden.

Was ist die Kernidee hinter dem Spot und von wem stammt die Story?

Nils Haseborg, Creative Director der hamburger Agentur HEIMAT. (Foto: HEIMAT)

Haseborg: Die Kernidee basiert auf dem Insight, dass es in vielen Familien Menschen gibt, die nie persönlich zu Familienfesten erscheinen, aber immer etwas schicken: die Paketverwandtschaft. Sie schicken und schenken häufig genau die Dinge, die sich vor allem Kinder wirklich wünschen, Eltern aber aus Selbstschutz nicht schenken würden. Die Dinge, die blinken und piepen und tanzen. Wie wild blinkende Kuschel-Rentiere zum Beispiel.

Ein nerviges Geschenk unter dem Weihnachtsbaum, geliefert mit Hermes – ist eine solche Verknüpfung in der Werbung nicht ein bisschen gewagt? Nervige Geschenke will doch keiner haben.

Haseborg: Nein, sie ist genau richtig. Die Konvention wäre gewesen, ein gefühlsduseliges selbstgemachtes Geschenk in den Mittelpunkt zu stellen. Deshalb ist der Bruch genau richtig.

Frau El Mansour, wie muss man sich die Vorbereitungen für einen solchen Dreh vorstellen?

Regisseurin Mona El Mansouri (Foto: Privat)

El Mansouri: In der Tat bedarf es viel und detaillierter Vorbereitung. Ich suche zusammen mit der Agentur die Besetzung aus, den Drehort, die Ausstattung. Jedes Detail muss vorher besprochen werden. Dann stellen wir die Filmcrew zusammen und müssen natürlich dafür Sorge tragen, dass alles klappt.

Wie lange dauert es durchschnittlich, bis der perfekte Film im Kasten ist?

El Mansouri: Je nach Idee des Filmes – die Vorbereitung mit eingeschlossen – da kann man vier bis sechs Wochen rechnen. Es hängt sehr davon ab, ob der Film z.B. Computeranimation braucht, das dauert dann alles noch länger.

„Hermes arbeitet hart an sich“

Der Film für Hermes ist ja nicht Ihr erster Job. Welches Projekt ist Ihnen bis heute in besonderer Erinnerung geblieben?

El Mansouri: Das war ein Job für Langnese. Zehn Drehtage und vier Wochen Vorbereitung, und das ganze in Thailand. In der Bucht, in der „The Beach“ mit Leonardo di Cabrio gedreht wurde. Das war schon ein einmaliges Erlebnis.

Sie betreuen zahlreiche Marken und Konzerne. Was macht Hermes für Sie aus Werbersicht besonders?

Haseborg: Hermes ist eine nahbare, menschliche Marke, die kommunikativ die letzten Jahre etwas unter dem Radar geflogen ist. Bei Hermes ist sicherlich nicht alles perfekt, aber ich kenne kaum ein Unternehmen bei dem so hart an sich gearbeitet wird. Dieser Wille, die Dinge anzupacken und zu verändern und dabei die Kundenbedürfnisse an erste Stelle zu setzen, macht für mich die Zusammenarbeit besonders und spannend. Dieses Engagement spiegelt der neue Kampagnenclaim „Weil es dir wichtig ist, ist es uns wichtig“ wider.

Welche Projekte stehen als nächstes für Sie an?

Haseborg: Weihnachtsbaum mit den Söhnen aussuchen und aufbauen.

Hand aufs Herz, wann haben Sie zum letzten Mal selbst ein Paket verschickt?

El Mansouri: Ich wohne auf Mallorca und muss deshalb öfters was verschicken. Ist gar nicht so lange her, etwa vier Wochen.

Haseborg: Anfang Oktober habe ich die Kinderzeichnungen meiner Söhne an meine Großmutter verschickt.

Wir danken für das Gespräch mit Ihnen!

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