Umfrage 2,20 EUR Zuschlag für emissionsfreie Zustellung?

Würden Kunden mehr zahlen, wenn ihr Paket dafür mit einem emissionsfreien Elektrofahrzeug zugestellt wird? In einer aktuellen Umfrage der Otto Group sagen 41 Prozent der Befragten: Ja, und zwar durchschnittlich 2,20 EUR. Gute Absicht oder echte Chance?

Alexander Bartelt, Head of Corporate Responsibility bei Hermes Germany (Foto: Otto Group)

Würden Kunden höhere Versandkosten zahlen, wenn ihr Paket dafür mit einem emissionsfreien Elektrofahrzeug zugestellt wird? Ja, sagten 41 Prozent der Befragten in einer aktuellen Erhebung der Otto Group. Durchschnittlich 2,20 EUR Aufpreis wäre den befragten Kunden eine emissionsfreie Lieferung wert. Gute Absicht oder echte Chance? Wir sprachen mit Alexander Bartelt, Head of Corporate Responsibility bei Hermes Germany, der das Thema Elektromobilität bei Hermes mit vorantreibt.


Herr Bartelt, wie schätzen Sie persönlich das Ergebnis der Umfrage ein?

Alexander Bartelt: Ich sehe das eher skeptisch. Natürlich klingt es nicht schlecht, dass über 40 Prozent der Befragten mehr Geld für eine umweltfreundliche Zustellung ausgeben wollen. Die Erfahrung zeigt aber leider: Oft klafft eine große Lücke zwischen der Absichtserklärung und der tatsächlichen Bereitschaft, für Nachhaltigkeit mehr Geld zu zahlen.

Sind 2,20 EUR ein realistischer Betrag, um die Mehrkosten für die Zustellung mit Elektroantrieb auszugleichen?

Alexander Bartelt: Mit 2,20 EUR pro Sendung könnte man natürlich viel bewegen. Schließlich ist eine emissionsfreie Zustellung momentan noch mit deutlichen Mehrkosten verbunden. Das liegt z.B. an den nach wie vor hohen Anschaffungspreisen für Elektrofahrzeuge und der notwendigen Ladeinfrastruktur. Würden diese Kosten durch einen Aufschlag teilweise oder sogar in Gänze aufgefangen, würde das eine flächendeckende Paketzustellung mit E-Fahrzeugen auf jeden Fall ein ganzes Stück voranbringen.

Mittelfristig ist auch der Kunde gefragt

Ist es überhaupt die Aufgabe der Kunden, die Nachhaltigkeit eines Unternehmens zu finanzieren?

Alexander Bartelt: Das große Ziel ist eine nachhaltige Gesellschaft. Um das zu erreichen, braucht es das Zusammenspiel vieler Kräfte. Die Politik setzt den Rahmen, die Wirtschaft geht in den Wettbewerb um die besten Lösungen und der Kunde hat am Ende die Wahl. Dabei spielen ökonomische Faktoren – insbesondere im sehr kompetitiven Logistikumfeld – natürlich eine ganz entscheidende Rolle. Insofern gehen wir hier heute noch deutlich in Vorleistung. Dauerhaft lassen sich die Mehrkosten aber nicht von den Unternehmen alleine tragen. Da ist mittelfristig auch der Kunde gefragt, der aber natürlich auch einen Benefit hat.

Hermes will bis 2020 insgesamt 1.500 Mercedes-Benz Sprinter und Vito mit Elektroantrieb auf die Straße bringen. Was war der Auslöser für diese Entscheidung?

Alexander Bartelt: Emissionsfreie Zustellung gewinnt für uns immer mehr an Bedeutung. Im Kontext von zunehmender Urbanisierung und steigendem Paketaufkommen ist eine Lärm-, Schadstoff- und CO2-freie Zustellung gefragt, speziell in den heute schon verkehrsbelasteten Innenstädten. Schließlich gilt es, die Gesundheit und die Lebensqualität der Menschen in den Ballungsgebieten zu sichern – und da ist die Logistik natürlich Teil der Lösung. Wir wollen deshalb bis 2025 in allen deutschen Großstädten emissionsfrei zuzustellen. Die Kooperation mit Mercedes-Benz ist ein erster großer, aber sicher nicht der letzte Schritt in diese Richtung.

Die Messlatte liegt bewusst hoch

Sind Sie insgesamt zufrieden mit dem Nachhaltigkeits-Engagement von Hermes?

Alexander Bartelt: Ja, absolut! Denn abgesehen davon, dass sich Hermes schon seit den 90er Jahren aktiv für Klima- und Umweltschutz einsetzt, haben wir auch für die Zukunft ehrgeizige Pläne. Ein gutes Beispiel ist unser Engagement im Rahmen der Zielsetzung der Otto Group, bis 2020 die CO2-Emissionen im Vergleich zum Jahr 2006 zu halbieren. Und mit der komplett emissionsfreien Paketzustellung bis 2025 in allen deutschen Großstädten legen wir die Messlatte bewusst weiter hoch. Damit kann man natürlich sehr zufrieden sein, wenngleich es keinen Grund zum Ausruhen gibt. Die Arbeit geht jetzt richtig los!

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