Donald Pilz, CEO der Hermes Europe GmbH (Foto: Hermes)

Donald Pilz: „Hermes wächst im weltweiten Handel“

Heute hat Hermes seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2016 veröffentlicht. Der Geschäftsbericht zeigt ein klares Plus bei Menge (+10%) und Umsatz (+7%) in den relevanten Geschäftsbereichen der Paketdistribution und des 2-Mann-Handlings. Donald Pilz, CEO der Hermes Europe GmbH, bewertet das Ergebnis im Interview und erläutert die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen.

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Herr Pilz, Ihr erstes Jahr bei Hermes geht zu Ende. Das heißt, die vorliegende ist die erste Hermes Bilanz, die Sie direkt verantworten. Wie lautet Ihr Fazit?

Donald Pilz: Wir haben im Geschäftsjahr 2016 ein gutes Ergebnis erzielt. Insbesondere in unserem Kerngeschäft, d.h. in der Paketdistribution und im 2-Mann-Handling, sind wir deutlich gewachsen und haben unsere Marktanteile gefestigt und ausgebaut. Schließlich sind wir als ein etablierter Logistikpartner vieler Händler in einem hoch dynamischen, zudem aktuell auch geopolitisch sehr herausfordernden Marktumfeld unterwegs.

Der internationale Handel ist von neuen Trends im E- und M-Commerce geprägt, auf die wir uns zukunftsgerichtet und mit signifikanten Investitionen einstellen. Dazu kommen neue Unsicherheiten, z.B. im Zuge des Brexit, in Europa mit Einfluss auf das Investitionsklima und die Währungskurse. Vor diesem Hintergrund bin ich mit der Leistung unserer Gruppe sehr zufrieden.

Insbesondere freut mich, dass wir in den Paketdivisionen in Deutschland, UK und Österreich, aber auch im 2-Mann-Handling, im Drittkundengeschäft klar über dem Markt gewachsen sind. Das sind wichtige Konstanten, auf denen wir aufbauen. In anderen Geschäftsfeldern sehen wir dafür noch Optimierungspotenzial. Hier werden wir unsere Strategie anpassen und z.B. die internationale Entwicklung forcieren.

Ab sofort gehören auch die in Frankreich ansässigen Unternehmen Mondial Relay und Girard Agediss zur Hermes Gruppe. Wie passt das zur weiteren Ausrichtung?

Donald Pilz: Sehr gut! Die beiden Gesellschaften, die bisher zur 3SI-Gruppe als ein Teil der Otto Group gehören, ergänzen unser bestehendes Portfolio in bester Weise. Mondial Relay ist ein wichtiger Baustein in unserem sukzessive expandierenden, europäischen Paketnetzwerk. In UK, Österreich, Italien und Russland ist Hermes bekanntermaßen mit eigenen Paketgesellschaften vertreten.

Mit Mondial Relay gewinnen wir nun ein Schwergewicht im 2C-Versand in den wichtigsten südeuropäischen Ländern, die wir bisher nicht selbst bedienen können – allen voran in Frankreich, Spanien, Belgien, Portugal und Luxemburg. Das wird sich sehr positiv auf den grenzüberschreitenden Paketversand in Europa auswirken, da dieser hinsichtlich des Kundenanspruchs „alle Services aus einer Hand“ vereinfacht wird.

Ein weiteres Asset innerhalb unseres Geschäftsmodells ist das prosperierende 2-Mann-Handling. Der Hermes Einrichtungs Service ist in Deutschland seit vielen Jahren sehr erfolgreich und offeriert bereits Transportleistungen auch ins benachbarte Ausland. Der direkte Anschluss in den französischen Markt über Girard Agediss macht dieses Geschäftsmodell nun komplett. Wir erwarten entsprechend eine positive Fortsetzung des Wachstumstrends in diesem Segment.

Ein Blick auf Ihre Bilanz zeigt: Umsätze und Mengen steigen. Wie sieht es mit den Erträgen aus?

Donald Pilz: Alle Player im Markt, Hermes eingeschlossen, stehen unter Druck, ihr Geschäft angesichts der wachsenden Anforderungen an Personal, Technologie und Infrastruktur auskömmlich zu gestalten. Der anhaltende Boom im E-Commerce, der ja zunächst in positiver Hinsicht seit vielen Jahren der Garant unseres Wachstums ist, erfordert im Umkehrschluss natürlich auch, dass wir maßgeblich und vorausschauend investieren. Das tun wir allerorts, z.B. in Deutschland mit der Eröffnung neuer Logistikzentren im Wert von ca. 300 Mio. EUR bzw. in UK, wo wir im Herbst eine weitere neue Hauptumschlagbasis in Rugby eröffnen werden. Hinzu kommen Investments in neue Services wie z.B. Same-Day-Delivery, die wir bedienen, indem wir uns an starken Partnern bzw. vielversprechenden Start-ups wie Liefery beteiligen und das Geschäft ausbauen.

Klar ist: Diese Investments müssen erst einmal verdient werden. Und das steht oft im Gegensatz zu den Margen, die im Paketmarkt zu heben sind. Um hier zu einem nachhaltigen Kosten- und Leistungsverhältnis zu gelangen, müssen unsere Services mittelfristig differenzierter strukturiert und bepreist werden.

Die Touristikindustrie z.B. erhöht ihre Preise in den Ferienzeiten, also im Peak, wenn viele Menschen reisen – was Geld einbringt, wofür aber auch passgenau Kapazitäten bereitgestellt werden müssen. Wir erhöhen unsere Preise dagegen in der Top-Versandzeit, sprich im Weihnachtsgeschäft, nicht. Und das, obwohl der Transport der z.T. signifikanten Mehrmenge in der Regel erhebliche zusätzliche Kosten verursacht. Die dafür notwendige Zahlungsbereitschaft existiert aber bislang weder im Handel noch bei den Verbrauchern.

Stichwort Digitalisierung: Welche Rolle spielt der technische Fortschritt?

Donald Pilz: Der Einfluss der Digitalisierung auf unser Geschäft ist extrem hoch. Die neuen digitalen Möglichkeiten sorgen für eine extrem schnelle Entwicklung im Servicebereich, der vom Handel aus auf uns übergeht bzw. in der Logistik häufig bereits vorgelagert stattfindet. Hand in Hand mit der demographischen Entwicklung sorgt der digitale Wandel dafür, dass der Kunde immer stärker im Zentrum steht und das Angebot regelrecht mitbestimmt.

Die Digitalisierung unterstützt uns aber auch dabei, unsere Prozesse effizienter und damit auch für Mensch und Umwelt verträglicher zu gestalten. Dreh- und Angelpunkt ist das Management von Daten und Informationen, die Aufschluss darüber geben, wie wir unsere Kunden in ihrem Alltag am direktesten erreichen. Wir stoßen die Entwicklung zentral an, die Umsetzung erfolgt jedoch in den Ländergesellschaften.

In Deutschland und UK gibt es bereits eigene DigiLabs, die diese Entwicklung mit entsprechend versierten Kollegen engagiert vorantreiben. Best Practices etablieren wir gruppenweit oder nutzen unsere Start-up-Gesellschaften, um neue Standards zu setzen bzw. diese zu entwickeln.

Sie haben jüngst einen Deal mit Mercedes-Benz zur Entwicklung von E-Mobilität geschlossen. Was hat es damit auf sich?

Donald Pilz: Neben neuen Standorten und PaketShops (POS) ist die Flotte ein wichtiger Bereich, in den wir investieren und in dem wir uns zukunftsgerichtet aufstellen. Gerade bei der Erprobung von Elektromobilität haben wir eine lange Historie, die bis auf die 90er Jahre zurückgeht.

Die Hermes Germany hat jetzt mit Mercedes-Benz vereinbart, gemeinsam 1.500 neue Fahrzeuge bis 2020 auf die Straße zu bringen. Diesen Deal mit Mercedes-Benz haben die Geschäftsführungskollegen der Hermes Germany federführend verantwortet und damit ein deutliches Zeichen für eine Trendwende gesetzt. Denn die Maßnahme unterstützt explizit die Zielsetzung, uns künftig vor allem auf die ökologisch verträgliche Zustellung in Metropolregionen zu spezialisieren.

Bereits heute ist absehbar, dass sich die Zufahrtsbarrieren in vielen Stadtgebieten erhöhen werden – wie z.B. in London schon geschehen, wo Hermes bereits seit 2015 ausschließlich elektrisch mobil an seine Kunden zustellt. Wir kommen also nicht umhin, uns frühzeitig um Alternativen zu kümmern. Auf das demnächst anlaufende Pilotprojekt bin ich gespannt! Und es geht noch weiter: Denn bis 2025 wollen wir in den Innenstadtbereichen aller deutschen Großstädte 100% emissionsfrei zustellen.