Entwicklungshilfe in Afrika „Kinder sind die Akteure des Wandels“

PLAN International ist eines der größten Kinderhilfswerke der Welt. Die Organisation mit Sitz in Hamburg engagiert sich für die Ärmsten weltweit. Hermes unterstützt PLAN seit vielen Jahren, aktuell z.B. beim Bau einer Schule in Kenia. Wir sprachen mit Kathrin Hartkopf, Leiterin des PLAN Stiftungszentrums.

Kathrin Hartkopf, Leiterin des PLAN Stiftungszentrums. (Foto: PLAN International)

PLAN International ist eines der größten Kinderhilfswerke der Welt. Die Organisation mit Sitz in Hamburg engagiert sich für die Ärmsten weltweit – und zwar vorrangig in ihren Heimatländern, wo oft Krieg, Hunger und Naturkatastrophen vorherrschen. Hermes unterstützt PLAN seit vielen Jahren, aktuell z.B. beim Bau einer Schule in Kenia. Wir sprachen mit Kathrin Hartkopf, Leiterin des PLAN Stiftungszentrums.

Frau Hartkopf, eine Hilfsorganisation, die mit Hilfe der Wirtschaft eine Schule in Afrika erbaut – das erinnert stark an die Entwicklungshilfe der 90er Jahre. Ist dieser Ansatz heute noch zeitgemäß und effektiv? Was kann bewirkt werden?

Kathrin Hartkopf: Es ist ausgesprochen wichtig, dass Afrika in diesen hitzigen und in jeder Hinsicht turbulenten Zeiten nicht in Vergessenheit gerät. Wir bei Plan sind nach wie vor überzeugt davon, dass Schulprojekte – die beim wichtigen Thema Bildung von Kindern ansetzen – elementar sind, um die Länder Afrikas auf dem Weg der „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu unterstützen. Schließlich bedeuten Kinder egal in welchem Kulturkreis die Zukunft – und es ist an ihnen, die oftmals missliche Situation in ihrer Heimat zu verändern. Bildung ist dafür die Voraussetzung, leider vielerorts alles andere als eine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg.

Klar ist: Um nachhaltig zu sein, muss ein einzelnes Projekt wie z.B. ein Schulbau eingebettet werden in weitere Maßnahmen, die die gesamte Gemeinschaft mit einbeziehen. Genauso ist es geschehen beim aktuellen Schulentwicklungsprojekt in Mbsuyani im Süden Kenias, das Hermes über zwei Jahre lang unterstützt hat. Dazu gehören z.B. die Qualifizierung von Lehrern, der Erwerb geeigneter Lehrmittel  und, für viele überraschend: ausreichende Sanitäranlagen! Viele Mädchen gehen z.B. nicht zur Schule, wenn es für sie keine separaten Toiletten gibt. Besonders wichtig ist der Einbezug der Schüler, Eltern und Lehrer in das Schulmanagement. Die besagte Schule hat sich so innerhalb kürzester Zeit zu einem Modellprojekt für die ganze Region entwickelt, der jetzt weitere Schulen nacheifern. Das ist ein großer Erfolg!


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„Unsere Unterstützer sind langfristig engagiert“

Flüchtlingskrise, Syrien-Krieg und IS-Terror bestimmen heute die Nachrichten, von Hunger und Not in Afrika ist kaum mehr die Rede. Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

Kathrin Hartkopf: Interessant ist, dass die aktuelle Nachrichtenlage die Höhe und Verteilung unserer Spenden kaum beeinflusst. Unsere Unterstützer sind in der Regel sehr langfristig engagiert und gut informiert. Sie verstehen, wie fahrlässig es ist bzw. wäre, Afrika jetzt zu vergessen. Wir informieren im Gegenzug sehr offen über unsere Projekte und sind für diese Transparenz ja auch mehrfach unabhängig ausgezeichnet worden.

Allerdings sind wir derzeit vermehrt mit der Frage konfrontiert, was wir konkret für die Flüchtlinge in Deutschland tun. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, den Menschen vor Augen zu führen, dass nur jeder zehnte Geflüchtete  weltweit überhaupt nach Europa kommt. Unser Ansatz ist entsprechend, die Bedingungen vor Ort, in den Krisengebieten zu verbessern – sodass sich die Menschen erst gar nicht auf die gefährliche Flucht begeben müssen, sondern in ihrer Heimat eine Perspektive finden. Projekte in Deutschland komplettieren unseren Einsatz.

Was kann eine Organisation wie PLAN dazu beitragen, dass die Hilfe für die afrikanischen Länder trotzdem nicht abreißt?

Kathrin Hartkopf: Eine Aufgabe unserer Organisation ist es, auf die Situation der Menschen in den Krisengebieten, die in den Medien z.T. nur ausgewählt stattfinden, hinzuweisen – vor allem auf die Situation der Mädchen, die oft zusätzlich gefährdet sind und weniger Chancen erhalten. Die Bekämpfung der Fluchtursachen ist eine gewaltige und sehr schwierige Herausforderung. Wir müssen den Menschen erklären, dass wir insbesondere die Kinder in Katastrophen- und Notsituationen schützen müssen. Andererseits müssen wir Kinder und Jugendliche so stärken, dass sie neue Chancen und Perspektiven bekommen und so zu Akteuren des Wandels in ihren Gemeinden werden. Das sind die zwei zentralen Ziele von Plan: Im ersten Schritt das akute und dringendste Leid zu mindern. Und zweitens, die Kinder darauf vorzubereiten, Träger von Verantwortung und Erneuerung in ihren Gemeinden zu werden. Beides ist wichtig für eine gerechtere Zukunft.

Engagement der Wirtschaft

Neben privaten Stiftern wird Ihre Organisation auch von vielen Unternehmen gefördert. Oft wird dabei Greenwashing unterstellt, also das Spenden aus Imagegründen. Wie können Unternehmen glaubwürdig helfen? 

Kathrin Hartkopf: Wichtig ist eine kontinuierliche Einbindung der Mitarbeiter – so wie bei Hermes. Wird das Engagement von den Mitarbeitern getragen und verstärkt, ist die Unterstützung authentisch. Außerdem ist es wichtig, dass sich das Unternehmen selbst fair gegenüber seinen Mitarbeitern verhält und auch für die Umwelt das Bestmögliche tut. Da sehen wir Hermes gut aufgestellt.

Angenommen, Geld spielte keine Rolle: Welches Projekt würden Sie direkt anpacken?

Kathrin Hartkopf: Ich persönlich würde am liebsten eine weltweite Kampagne gegen Gewalt an Mädchen und Frauen starten. Unfassbar, was insbesondere Mädchen weltweit erdulden müssen – hier müssen wir unterstützen!

Vielen Dank für das Gespräch!

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