Gravur der Meisterschale Bremen macht den Meister

Champions-League-Trophäe, Goldene Kamera, DFB-Pokal: Die Arbeiten der Bremer Silberschmiede Koch & Bergfeld lesen sich wie das Who is Who der Trophäen. Auf dem Hermes Saisonrückblick 2015 gravieren die Hanseaten heute Abend die Meisterschale der Bundesliga - zum ersten Mal vor Publikum.

Millimeterarbeit leisten Handgraveure wie Werner Schlattinger, der heute Abend in Frankfurt erstmals die Meisterschale graviert.

Champions-League-Trophäe, Goldene Kamera, DFB-Pokal: Die Arbeiten der Bremer Silberschmiede Koch & Bergfeld lesen sich wie das Who is Who der Trophäen. Auf dem Hermes Saisonrückblick 2015 gravieren die Hanseaten heute Abend die Meisterschale der Bundesliga – zum ersten Mal vor Publikum.

Was den Hamburgern ihre Hafen-City, ist den Bremern die Überseestadt. Hier, auf dem Gelände des ehemaligen Europahafens, ist in den vergangenen Jahren Bremens jüngster Stadtteil empor gewachsen. Auch die Silberschmiede Koch & Bergfeld hat 2007 am alten Hafenbecken mit ihrer gläsernen Manufaktur eine neue Heimat gefunden. 1829 wurde der Traditionsbetrieb in der Bremer Neustadt gegründet, über 800 Menschen standen hier Anfang des 20. Jahrhunderts in Lohn und Brot. Zwischenzeitig zählte die Schmiede zu den drei größten in Deutschland, mit Kunden wie dem Norddeutschen Lloyd: „Auch Botschaften und verschiedene Königshäuser haben wir damals beliefert, etwa Fabergé“, erzählt Geschäftsführer Florian Blume, der den Betrieb seit 2005 führt.

Champions League an der Weser

Im gleichen Jahr wurde auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) erstmals Kunde bei Koch & Bergfeld. Heute vergibt nicht nur die DFL regelmäßig Aufträge in die Überseestadt. Neben verschiedenen privaten Auftragsarbeiten produzieren die Hanseaten unter anderem die Goldene Kamera, den DFB-Pokal – und sogar der aktuelle Entwurf des Champions-League-Pokals stammt von der Weser.

Aktuell arbeiten 14 Angestellte bei Koch & Bergfeld, die heute zu den edelsten Pokalschmieden Deutschlands zählt und sich unter anderem auf Sporttrophäen spezialisiert hat. „Es gibt kaum noch Manufakturen, die so hochwertig arbeiten wie wir“, sagt Blume. „Gleichzeitig ist es uns mit dem neuen Standort gelungen, ein tradiertes Handwerk wieder erlebbar zu machen. Das macht uns stolz.“ Nachwuchsprobleme gäbe es auch deshalb nicht, betont der gelernte Silberschmied: „Das gesamte Team ist jung, außerdem arbeiten immer zwei Auszubildende bei uns.“ In Bremen durchlaufen angehende Graveure heute eine dreieinhalbjährige Ausbildung.

Tiroler Tausendsasssa

Der Schweizer Werner Schlattinger unterstützt die Schmiede an der Weser regelmäßig bei besonderen Projekten. Seit 25 Jahren ist der gebürtige Tiroler als sogenannter Handgraveur im Geschäft: „Maschinen arbeiten zwar fein, einen perfekten Glanzschnitt aber schafft man nur per Handarbeit.“ Gravierstichel heißen die feinen Werkzeuge, mit denen Werner Schlattinger das Silber millimetergenau bearbeitet. Mehr als ein Dutzend Stichel hat er in seiner Werkzeugtasche. Genauso wie eine Lupe, einen feinen Bleistift und – Deckweiß aus dem Tuschkasten. „Das brauche ich fürs Anzeichnen, nur so hält der Bleistift auf dem feinen Metall. Außerdem lässt sich die Farbe rückstandslos entfernen.“ Rund vier Jahre lang dauerte damals seine Graveursausbildung in Ferlach in Österreich, zuvor hatte er eine Ausbildung zum Waffenmechaniker absolviert. „In Zürich habe ich mich dann später noch zum Silberschmied ausbilden lassen. Deshalb bin ich mittlerweile sehr vielseitig einsetzbar.“

Sein Können stellt Werner Schlattinger immer wieder unter Beweis, auch bei renommierten Projekten. So ist er unter anderem für die Gravur des schweizerischen Fußballpokals zuständig – und wird heute Abend erstmals in seinem Leben die Meisterschale der Bundesliga mit dem Namen des Deutschen Meisters 2015 versehen. Rund eineinhalb bis zwei Stunden wird die Gravur auf dem Hermes Saisonrückblick in Frankfurt dauern. Einen Stammgraveur hat Deutschlands bekannteste Trophäe übrigens nicht: „Deshalb weicht das Schriftbild auf der Meisterschale in Nuancen voneinander ab. Für Laien ist das kaum erkennbar, geübte Profis aber sehen den Unterschied.“

1949 wurde die Meisterschale in den Kölner Werkschulen von der Professorin Elisabeth Treskow geschaffen. 6 Kilo Sterling-Silber wurden dafür verwendet, 1981 folgte eine erste Erweiterung. Den materiellen Wert beziffern Experten auf über 50.000 Euro. Florian Blume setzt aufgrund solcher Werte konsequent auf Sicherheit: „Unsere Schmiede wird rund um die Uhr bewacht, durch Kameras ebenso wie durch eine Sicherheitsfirma.“ In der gläsernen Manufaktur in der Bremer Überseestadt ist davon natürlich nichts zu sehen, im Gegenteil – Blume und seine Kollegen setzen auf Nähe. Auch in Frankfurt können Gäste heute Abend deshalb ganz nah dabei sein, wenn die Meisterschale zum ersten Mal in ihrer Geschichte live vor Publikum graviert werden wird.

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