Frauen in der Logistik: „Ich finde KI toll, weil sie das Leben von Menschen einfacher macht“

Nora Beiteke bei einem Workshop zum effektiven Arbeiten mit ogGPT im Rahmen der Hermes Learnings Days im Februar 2026 (Foto: HR Hermes Germany)
Die Logistik gilt nach wie vor als Männerdomäne. In unserer Serie „Frauen in der Logistik“ stellen wir regelmäßig Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Bereichen vor. Diesmal: Nora Beiteke, IT Consultant und AI Coordinator bei Hermes Germany.
Nora, du bist IT Consultant und AI Coordinator. Klingt reichlich technisch. Was genau ist deine Aufgabe?
Nora Beiteke: In einem Satz? Ich löse Probleme mithilfe von IT.
Was genau umfasst deine Rolle als AI Coordinator?
Nora Beiteke: Als AI Coordinator steuere ich primär drei Themenfelder rund um KI. Das erste ist die Wissensvermittlung für den persönlichen Einsatz von KI. Das zweite ist KI im konkreten Einsatz, also: Für welche Prozesse oder Produkte können wir KI verwenden? Hier übernehme ich die technische Projektleitung für die Entwicklung unserer KI-Agenten im Bereich Legal und Tender. Und das dritte ist AI Governance. Hier bin ich Teil eines großen Gremiums, das festlegt, welche KI verwendet werden darf, damit zum Beispiel keine sensiblen Daten von Hermes Germany abfließen. Aus diesem Grund dürfen unsere Mitarbeitenden KI-Assistenten wie ChatGPT im Arbeitsumfeld nicht nutzen. Darüber hinaus erarbeite ich die Grundlagen für unsere KI-Strategie bei Hermes Germany.
Heißt das, dass du eine klassische Ausbildung im Bereich IT gemacht hast?
Nora Beiteke: Nein. Tatsächlich habe einen dualen Studiengang BWL absolviert. Und meine ersten zehn Berufsjahre war ich im Vertrieb tätig. Mit der Zeit habe ich immer mehr beratende Funktionen übernommen und bin schließlich ganz ins Consulting gewechselt. Da geht es vor allem darum zu verstehen: Was braucht der Kunde? Das fand ich spannend.
Und wie wurdest du vom Consultant zum IT Consultant?
Nora Beiteke: Bei einem Unternehmen, das Warenwirtschaftssysteme für die Schifffahrt entwickelt. Die Aufgabe war im Prinzip die gleiche: Der Kunde hat ein Problem, und ich versuche, es zu lösen – diesmal mithilfe von IT. Gemeinsam mit den Entwicklern habe ich die Softwarekonzepte geschrieben. Dafür habe ich beispielsweise andere Softwarekonzepte gelesen und mir alles von den Technikern erklären lassen. So konnte ich mir mit der Zeit tiefere technische Kenntnisse und Erfahrungen zulegen.
Bedenken und Hürden verstehen
Machst du als Quereinsteigerin Dinge anders?
Nora Beiteke: Als Stärke sehe ich, dass ich gut andere Menschen an technische Themen heranführen kann. Ich frage mich: Welche Bedenken haben sie? Welche Lernhürden gibt es? Wie muss man das vermitteln, dass es ein Nicht-Techniker versteht? Als gelernter Informatiker ist da manchmal der Blick etwas verstellt, glaube ich. Und auf der anderen Seite kann ich mich mit unseren Expertinnen und Experten zu technischen Fragestellungen austauschen. Das Gesamtpaket macht es bei uns aus.
Und seit wann bist du nun bei Hermes Germany tätig?
Nora Beiteke: Ich bin 2022 bei Hermes Germany eingestiegen. Anfangs habe ich die Fachbereiche dabei unterstützt, eingekaufte Softwarelösungen auf ihre Bedürfnisse anzupassen. Und dann kam meine große Leidenschaft: Gigi.
Das ist der Spitzname von ogGPT, dem Otto Group eigenen, datenschutzkonformen KI-Assistenten, der auch bei Hermes Germany als Konzerntochter zum Einsatz kommt.
Nora Beiteke: Richtig. Gigi wurde entwickelt, damit keine Daten von Hermes Germany abfließen und externe KIs damit trainiert werden. Ich habe den unheimlichen Mehrwert gesehen und meinem Teamleiter gesagt: „Ich möchte dieses Thema bei Hermes Germany gern übernehmen und vorantreiben.“ Der hat mich kurz angeschaut und meinte: „Okay.“
Berufliche Entwicklung selbst mitbestimmen
Und ab da warst du verantwortlich für das Projekt?
Nora Beiteke: Ja. Und an dieser Stelle muss ich kurz etwas zu Hermes Germany generell sagen: Ich hatte immer Mitspracherecht, wenn es darum ging, welche Projekte ich übernehmen soll und wohin ich mich entwickeln möchte. Dafür bin ich sehr dankbar und das ist der Grund dafür, warum ich mit großer Leidenschaft hier arbeite.
Zurück zu Gigi: Was genau hat dich daran fasziniert?
Nora Beiteke: Ich finde KI toll, weil sie das Leben von Menschen einfacher macht. Und bei Gigi sieht man das besonders gut. Gigi ist wie ein Freund und Helfer: Er macht deinen Büroalltag leichter oder besser – oder du erhältst ein Ergebnis, das du vorher nicht erzielt hättest.
Was heißt das konkret?
Nora Beiteke: Gigi hilft beim Brainstorming, formuliert Mails für mich, protokolliert Teams-Meetings, schreibt Konzepte und Pläne – etwa für die Einführung einer Software. Die konkrete Aufgabe ist eigentlich egal: Man gibt ein paar unstrukturierte Gedanken hinein – und Gigi macht daraus etwas Strukturiertes. Natürlich muss man das Ergebnis kontrollieren, weil jede KI halluzinieren kann, und auch Entscheidungen muss man immer noch selbst treffen. Aber im Schnitt spart man bestimmt zwei bis vier Stunden pro Woche ein. Darum habe ich sehr für die Einführung bei Hermes Germany geworben, habe Absprachen mit Datenschutz und Informationssicherheit getroffen – und ein Lernkonzept entwickelt. Das ist für mich das Herzstück des Projekts. Inzwischen haben wir bei Hermes Germany 600 Mitarbeitende im kaufmännischen Bereich geschult.
KI ersetzt nicht, sondern unterstützt
Haben die auch Bedenken, dass KI ihre Jobs überflüssig machen könnte?
Nora Beiteke: Bei Gigi nicht. Man kann auch nicht einen Mitarbeitenden ersetzen, nur weil er ein paar Stunden bei Aufgaben einspart. KI-Assistenten bieten aber wie eben beschrieben ein großes Potenzial, Arbeitsabläufe zu optimieren und das Tagesgeschäft deutlich effizienter zu machen. Wenn es Skepsis gibt, dann eher, weil man häufig noch unsicher ist, welche Mehrwerte die KI bringt. Darum lasse ich in Mitarbeitenden-Workshops Ideen sammeln, wie Gigi die Prozesse in den jeweiligen Abteilungen verbessern kann. Manchmal höre ich dann später: „Nora, das macht mein Arbeitsleben so viel einfacher.“ Das bereitet mir große Freude.
Wie beschreibst du zum Abschluss dein Ziel bzw. deine Mission?
Nora Beiteke: Es ist mir ein großes Anliegen, KI stärker und abgesichert in den Einsatz zu bringen, so dass sie einen echten Mehrwert für die Mitarbeitenden bringt. Dazu tragen alle drei Bereiche, für die ich mich stark mache, bei: die KI-Agenten, die KI-Wissensvermittlung und die KI-Governance. Jeder Schritt in Richtung KI ist ein wichtiger Schritt, um auch in Zukunft die Arbeitswelt und Zusammenarbeit erfolgreich zu gestalten.
Vielen Dank für das Gespräch!