Integration von Geflüchteten Hermes in Bad Rappenau: „Integration entsteht über ein gemeinsames Arbeitsumfeld“

Im April 2017 eröffnete Hermes Germany ein neues Logistik-Center in Bad Rappenau. 200 neue Arbeitsplätze entstanden. Diese schnell zu besetzen, um einen reibungslosen Start zu gewährleisten, gelang auch dank der Anstellung von Geflüchteten.

Mustafa Almobarak und Majd Aldeen Sousi sind zwei von rund 50 Geflüchteten, die im LC in Bad Rappenau arbeiten. (Foto: Hermes)

Erfahren Sie mehr zum Thema Integration bei Hermes: In einer mehrteiligen Video-Dokumentation erzählen Geflüchtete, die nun in Haldensleben und Bad Rappenau leben und arbeiten, ihre persönliche Geschichte.


Am Anfang war hier vor allem eines: ein riesiger Acker, auf dem der Raps blühte. Und sonst nichts. Doch innerhalb von zehn Monaten entstand auf der Fläche von sieben Fußballfeldern in Bad Rappenau eine 10.000 Quadratmeter große Halle – das größte Hermes Paketzentrum in Süd-Westdeutschland – inklusive innovativer Förder- und Sortiertechnik im Inneren. „Phänomenal“, nannte der Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen dann auch bei der Eröffnung im April 2017 die Bauzeit. Doch was den Stadtvorsteher zu diesem Extralob veranlasste, trieb während der Fertigstellung des Neubaus vor allem einem Hermes-Mitarbeiter den Schweiß auf die Stirn.

„Wir waren gezwungen, eine Mannschaft aus dem Boden zu stampfen“, sagt Peter Bachmann, General Area Manager in Bad Rappenau. Und das in Baden-Württemberg, einer Gegend, die monatlich nahezu Vollbeschäftigung an die Behörden meldet. Die große Frage war also: „Wo kriegen wir Leute her?“, sagt Bachmann.

Ein guter Arbeitsplatz in der Nähe

Peter Bachmann, General Area Manager des LC Bad Rappenau (Foto: Jörg Eberl | www.eberl-photo.de)

Beim Spatenstich wurde der Manager zum Glück auf den Kulturverein blacksheep e.V. aufmerksam, dessen Mitglieder sich auch ehrenamtlich in der Geflüchtetenhilfe engagieren. Schnell wurde der Kontakt zu Bewohnern von zwei Geflüchtetenheimen hergestellt, die beide in Fuß- oder Fahrradnähe zum geplanten Hermes-Standort liegen. Eine logistische Hürde war damit schon einmal beseitigt, denn die meisten Geflüchteten verfügen nicht über einen gültigen Führerschein und erst recht nicht über ein Auto.

Als die ersten Mitarbeiter geworben waren, stellte sich eine Art Domino-Effekt ein. „Leute, die hier angefangen haben, haben anderen Bewohnern erzählt, dass sie eine gute Arbeit haben, die nicht weit weg ist“, sagt Bachmann. Das hat zu einer positiven Wahrnehmung geführt. Inzwischen arbeiten in Bad Rappenau um die 50 Geflüchtete.

Bis es soweit war, mussten allerdings erst einmal ein paar Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Ein großes Problem beim Thema Arbeitsplätze für Geflüchtete ist immer die Sprache. Zwar handelt es sich bei der Tätigkeit in Bad Rappenau überwiegend um körperliche Arbeit, bei der die Mitarbeiter wenig sprechen müssen. „Aber wir wollen ja, dass die Leute hier nicht nur schuften“, sagt Bachmann, „sondern sich weiterentwickeln und integrieren.“ Die Organisation von Sprachkursen ist bei einem Schichtbetrieb allerdings nicht so einfach. Gemeinsam mit dem Arbeitsamt ist es Hermes inzwischen gelungen, Kurse direkt vor oder nach der Schicht im Aufenthaltsraum des LCs anzubieten.


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Pragmatiker auf allen Seiten

Bisher läuft das Miteinander in Bad Rappenau recht reibungslos. „Integration entsteht über ein gemeinsames Arbeitsumfeld“, sagt Bachmann. „Die Mitarbeiter haben Respekt voreinander und es entstehen auch Freundschaften.“ Am Anfang gab es in einem Fall mal Ärger zwischen den Geflüchteten. Doch seit dem Vorfall „läuft ein gutes Miteinander“, sagt Bachmann.

Dass alles so gut klappt, liegt auch an der Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Betreuern, die sehr viel Zeit mit den Geflüchteten verbringen, um ihnen beispielsweise die Arbeitsbedingungen in deutschen Betrieben näher zu bringen. Und auch daran, dass alle Beteiligten für die Sache gekämpft haben. Bei Hermes und bei den Behörden. „Da waren auf beiden Seiten Pragmatiker am Werk“, sagt Bachmann, „die sich gesagt haben, man muss es einfach tun, und pragmatische und praktische Lösungen gefunden haben.“

Bisher ist die Fluktuation gering, geringer als Bachmann vermutet hat. Vielleicht ändert sich das noch, wenn ein paar der Geflüchteten die Sprache besser beherrschen und dann nach verantwortungsvolleren Posten suchen. Der Verantwortliche für die Area Stuttgart würde es seinen Angestellten gönnen. Er will ja, dass sie sich entwickeln. Bis dahin betrachtet er mit Freude und etwas Stolz, was die Beteiligten in Bad Rappenau geschafft haben. „Es macht Spaß“, sagt er, „dass wir so schnell eine richtig schöne Mannschaft zusammenbekommen haben.“ Das wird auch über die Firmengrenzen hinaus wahrgenommen. Neben dem Oberbürgermeister interessieren sich inzwischen auch andere Unternehmen aus der Region für das Modell von Hermes.

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