Integration von Geflüchteten Einblicke bei Hermes Fulfilment: „Es hat erstaunlich gut funktioniert“  

Bei Hermes Fulfilment in Haldensleben arbeiten inzwischen 28 Geflüchtete – das hat das Unternehmen bereichert. Im Fokus des Engagements steht das Projekt Bildung, Integration, Perspektive (BIP), in Zusammenarbeit mit dem Europäischen Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft. Ziel des Projektes ist vor allem, Geflüchtete möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Bahabolom Abraham und Daniel Okbazgi auf dem Weg zur Kantine des Hermes Fulfilment Versandzentrums in Haldensleben. (Foto: Hermes)

Erfahren Sie mehr zum Thema Integration bei Hermes: In einer mehrteiligen Video-Dokumentation erzählen Geflüchtete, die nun in Haldensleben und Bad Rappenau leben und arbeiten, ihre persönliche Geschichte.


Daniel Okbazgi sitzt in der Kantine der Hermes Fulfilment GmbH in Haldensleben und stochert in seinem Salat herum. Er holt sein Handy heraus und zeigt ein paar Fotos, von seinen Kindern und von traditionellen Gerichten aus seiner Heimat, die er selbst gekocht hat. Er lacht. Das Essen in Deutschland ist nur eine Sache, an die er sich gewöhnen muss.

Der 40-Jährige kommt ursprünglich aus Eritrea, er war dort 16 Jahre Soldat bei der Marine, bevor er aus dem Militär floh und sich auf den Weg nach Europa machte. Drei Jahre hat die Flucht nach Deutschland gedauert. Seit zwei Jahren ist er jetzt hier, seit ein paar Monaten hat er einen festen Job in der Kommissionierung bei Hermes Fulfilment. Er ist alleine hier, er vermisst seine Frau und seine Kinder sehr. Und trotzdem ist er froh: „Für mich ist das hier in Deutschland ein neues Leben. Vorher wusste ich nicht, was es bedeutet, frei zu sein“, sagt er. „Jetzt kann ich mein Leben eigenständig bestimmen.“

Schnelle Integration in den Arbeitsmarkt

Dass er das heute so sagen kann, liegt auch an BIP, dem Projekt Bildung, Integration, Perspektive, das Hermes Fulfliment, das Europäische Bildungswerk für Beruf und Gesellschaft und die Agentur für Arbeit 2016 ins Leben gerufen haben. Ziel des Projektes ist vor allem, Geflüchtete möglichst schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Inzwischen haben 28 Geflüchtete einen Arbeitsvertrag bei Hermes, 25 aus Eritrea und jeweils einer aus Burkina Faso, Afghanistan und Somalia. Einer davon ist Daniel Okbazgi.

„Ich hatte großen Respekt vor dem Projekt“, sagt Jennifer Kolwig, Personalreferentin bei Hermes Fulfilment. Haldensleben liegt in Sachsen-Anhalt, knapp jeder Fünfte hat hier bei der Bundestagswahl die AfD gewählt. Doch spätestens seit sie bei der Weihnachtsfeier im vergangenen Jahr die neuen Mitarbeiter mit den alteingesessenen gemeinsam auf der Tanzfläche gesehen hat, weiß Kolwig: „Es hat erstaunlich gut funktioniert.“

„Am Anfang gab es bei den Mitarbeitern schon auch Angst vor dem Fremden“, sagt Christian Rosenberger, Gruppenleiter bei Hermes Fulfilment und Chef von Daniel Okbazgi. Seit Mai 2017 arbeiten vier Geflüchtete in seinen Teams. Inzwischen sind sie gut integriert. Das liege vor allem an den Geflüchteten, sagt Rosenberger, „weil sie immer pünktlich sind, wenig Fehlzeiten haben, keine Grüppchen bilden, sondern dazugehören wollen – und immer ein Lächeln auf den Lippen haben“. Und es ist auch ein Verdienst der Paten im Unternehmen, die den neuen Mitarbeitern dabei helfen, den Einstieg möglichst schnell zu schaffen. „Sie haben den Leuten gezeigt, dass man keine Angst haben muss“, sagt Rosenberger.


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Im Kollegenkreis angekommen

Bevor die Geflüchteten ihren Job bei Hermes antreten konnten, haben sie ein vierwöchiges Praktikum absolviert und eine Sicherheitsunterweisung bekommen. Jetzt werden sie ganz normal im Schichtbetrieb eingesetzt. Rosenberger ist es lieber, wenn sie am Anfang etwas langsamer arbeiten und dafür keine Fehler machen. Denn das kostet viel Geld. Und eines haben sie von ihrem Chef schon gelernt: Sie sollen nicht einfach „Ja, ja“ sagen, wenn sie etwas nicht verstanden haben, sondern so lange nachfragen, bis es klar ist.

Vieles hat problemloser geklappt, als sich die Verantwortlichen das vorgestellt haben. Die Arbeitsmoral während des Ramadans, die vielen weiblichen Führungskräfte, die Pünktlichkeit, das Beten, die Integration im Kollegenkreis, „all das bereitet wenig Probleme“, sagt Personalchefin Kolwig. Als Okbazgi eine eigene Wohnung bezogen hat, haben viele Kollegen etwas zu seinem Hausstand beigesteuert. „Sie haben gesehen, dass er wirklich bei Null anfängt“, sagt Rosenberger. „Und nicht einfach einen Freund oder Verwandten anrufen kann.“

Andere Dinge brauchen dagegen etwas mehr Zeit. „Einer unserer Mitarbeiter war bisher Schafhirte, der ist einfach zu Hause geblieben, wenn er Urlaub machen wollte“, sagt Kolwig. Jetzt muss er dafür einen Antrag ausfüllen. Das ist nicht so einfach.

Die Sprache ist der Schlüssel

Und dann ist da noch die Sprache. Weil die Behörden nicht mehr zuständig sind, wenn die Geflüchteten eine Festanstellung haben, hat Hermes jetzt für alle Geflüchteten für ein Jahr einen Deutschkurs organisiert. Er findet im Unternehmen statt, einen Tag werden Okbazgi und seine Mitschüler dafür von Hermes freigestellt, einen Tag müssen sie von ihrer Freizeit opfern. Sie machen das gerne. Sie wollen ja richtig hier ankommen.

Daniel Okbazgi ist froh und dankbar, dass er die Arbeit bei Hermes hat. „Der Unterschied zwischen zuhause hocken und arbeiten gehen ist so groß wie Tag und Nacht“, sagt er. Nicht nur finanziell. Seine Arbeit gibt seinem Tag Struktur, es bleibt weniger Zeit zu grübeln. Und traurig zu sein. Zum Beispiel darüber, dass seine Frau und seine Kinder immer noch nicht bei ihm sind. Seine Freizeit verbringt er oft mit Bahabolom „Babbi“ Abraham. Babbi war auch Soldat in Eritrea, jetzt arbeitet er bei Hermes. „Wir kannten uns früher nicht“, sagt Daniel, „aber jetzt sind wir sehr gute Freunde geworden.“

Sie gehen zusammen schwimmen. Oder kochen gemeinsam. Sie unterstützen sich, wo sie nur können. Und arbeiten zusammen. „Ja, ich bin glücklich hier“, sagt Daniel Okbazgi. Sein Chef will dafür sorgen, dass es auch so bleibt. „Ich will sie hier richtig integrieren“, sagt Christian Rosenberger, „es soll ja am Ende nicht nur eine PR-Maßnahme sein.“

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