Ein vollbeladener Güterzug verlässt den Hafen in Hamburg. (Foto: imago)

Logistikzentrum Löhne: Hermes prüft Gleisanschluss

Vier Monate nach der offiziellen Eröffnung läuft das von Hermes Fulfilment und dem Hermes Einrichtungs Service gemeinsam betriebene Logistikzentrum im nordrhein-westfälischen Löhne unter Volllast. In die Bauplanung flossen Überlegungen ein, die Anlage mit dem in der Nähe liegenden Schienennetz zu verbinden. Zu den Voraussetzungen und Chancen eines Gleisanschlusses äußert sich Dieter Urbanke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Hermes Fulfilment, im Interview.

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Herr Urbanke, wie weit sind die Pläne für einen Anschluss des neuen Logistikzentrums in Löhne an den Schienengüterverkehr gediehen

Urbanke: Mit dem Kauf des noch fehlenden Grundstücks haben wir uns im Sommer die Option für einen Gleisanschluss gesichert. Auch die Stadt Löhne hat inzwischen die für eine Schienenanbindung erforderlichen Flächen erworben. Jetzt geht es darum, zu prüfen, ob ein solcher Anschluss unter den gegebenen Rahmenbedingungen wirtschaftlich Sinn macht.

Von welchen Faktoren hängt der Gleisanschluss ab?

Urbanke: Unsere Handelskunden müssen grundsätzlich bereit sein, ihre Ware mit der Bahn anliefern zu lassen. Die Nutzung des Schienenverkehrs ist für den Lieferanten des Händlers nur dann wirtschaftlich, wenn das Liefervolumen so groß ist, dass er damit eine möglichst vollständige Auslastung der Waggons erreichen kann. Denn der Schienengüterverkehr ist kein Sammelverkehr. Das heißt: Die Waggons werden an einem Ort beladen und am Ziel wieder entladen. Der Trend in der Handelswelt entwickelt sich in eine andere Richtung: Die Stückzahlen sinken, weil die Händler ein immer breiteres Produktspektrum abdecken. Von einem einzelnen Produkt pro Sorte und Lieferant wird heute deutlich weniger bewegt als noch vor wenigen Jahren. Die Menge, die zur Auslastung eines ganzen Waggons erforderlich ist, wird kaum noch erreicht.

Wie technisch aufwändig ist ein Gleisanschluss in Löhne?

Urbanke: Der Wareneingangsbereich des Logistikzentrums liegt gut acht Meter über dem Niveau des Gleiskörpers. Um den Höhenunterschied mit einem zulässigen Neigungswinkel auszugleichen, müsste entweder das Anschlussgleis sehr lang sein und über Schleifen zum Logistikzentrum führen. Oder es müsste eine Art Lift installiert werden, der die Waggons auf das Niveau des Logistikzentrums hebt. Eine weitere Herausforderung ist die Auskopplung der Züge. Löhne liegt an der Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln – Berlin. Vom Bahnhof müssten die Waggons mit Ware zunächst auf ein Nebengleis geführt und von dort anschließend unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten zum Logistikzentrum weitertransportiert werden.

Für wie wahrscheinlich halten Sie es unter diesen Umständen, dass das Logistikzentrum an die Schiene angebunden wird?

Urbanke: Wenn ausreichend Güter vorhanden sind, liegt ein Gleisanschluss nicht im Bereich des Unmöglichen. Vor allem beim großvolumigen Sortiment macht ein Transport per Bahn durchaus Sinn. Für den Fall, dass sich der derzeitige Trend zu kleineren Stückzahlen wieder umkehrt, sind wir vorbereitet. Denn alles, was mit der Bahn angeliefert werden kann, braucht nicht über die Straße transportiert zu werden. Und weniger Lastwagen auf der Straße bedeuten weniger CO2-Belastung. Sobald sich eine neue Entwicklung in Sachen Bahnanschluss abzeichnet, werden wir die Öffentlichkeit informieren.